Kunsthalle Viersen

„Ich mag den Geruch von Farbe“

Text & Interview: Claudia Holthausen
Fotos: GKFfotografie
Video: GKFdesign
Platten aus Betonwerkstein auf dem Fußboden, Wellblech überm Kopf. Und auch die gläserne Automatiktür erinnert noch an den Supermarkt, der mal an der Süchtelner Straße 74 in Viersen beheimatet war, bevor hier – nach diversen anderen Nutzungen – Edmund Knab und sein Sohn Christoper im September 2017 ihre „Kunsthalle Viersen“ eröffneten.

 

So fernab von jeglichem Schicki-Micki-Gedöns das Ambiente wirkt, so unprätentiös ist auch der Name der noch jungen Ausstellungsplattform gemeint: „Ist halt ne Halle, und wir machen in Kunst“, sagt der Senior lakonisch – und doch mit einem Augenzwinkern. Denn dass man mit dem Begriff „Kunsthalle“ gemeinhin eine etablierte und renommierte Institution verbindet, kann ihm nur recht sein.

 

Jedenfalls haben wir es hier mit einem ambitionierten Projekt zu tun. Edmund Knab, der bis 2014 über viele Jahrzehnte eine Kunstspedition in Düsseldorf betrieb und seit zwölf Jahren in Süchteln beheimatet ist, will Kunstschaffenden „jenseits des Mainstreams“ eine Möglichkeit bieten, ihre Arbeiten zu präsentieren. Zur Zeit läuft bereits die vierte Schau. Nach Werken des Schweizer Porträtmalers Stefan à Wengen, der Düsseldorfer Fotografin Barbara Heider-König und des Lüpertz-Meisterschülers Junior Toscanelli hängen an den großflächigen weißen Wänden derzeit die ebenso farbmächtigen wie vielschichtigen Bilder von Peter Schmersal. Sie haben dem Wuppertaler Maler eine ansehnliche Sammlerschaft und eine qualitativ bestechende Gruppe von Kuratoren und Galeristen eingebracht, die sich für sein Tun und Schaffen nachdrücklich interessieren.

 

Nun ist Viersen, bei aller durchaus vorhandenen Liebe zu Kunst und Kultur, nicht gerade ein Hotspot der Szene. Wie also kommt man auf die Idee, hier eine Galerie zu eröffnen? „Man muss bekloppt sein,“ grinst Knab, um gleich hinzuzufügen: „Wir sind allerdings keine Galerie im eigentlichen Sinne.“

 

Sondern? „Vielleicht eher so etwas wie ein privates Museum für zeitgenössische Kunst mit persönlicher Note.“ Knab versteht sich weder als Agent, der einen Künstler in jeder Hinsicht vertritt und vermarktet, noch als Händler, der alles im Angebot hat, was gerade so gefragt ist.

 

„Bei aller ehrlichen Hochachtung vor der künstlerischen Potenz der Gerhard Richters und Claes Oldenburgs dieser Welt – ich habe kein Interesse daran, den von Christie’s, Sotheby’s und Konsorten kommerziell gesteuerten Markt zu befeuern und dazu beizutragen, die Preise in immer schwindelerregendere Höhen zu treiben.“

Das habe für ihn mit Kunst nicht mehr zu tun, dabei gehe es nur noch um Rendite. Vielmehr wolle er solchen Künstlerinnen und Künstlern ein Podium verschaffen, die er kenne, schätze, deren Entwicklung er betrachtet und deren Glaubwürdigkeit und Authentizität er über einen längeren Zeitraum verifiziert habe.

Was sind dabei seine Kriterien, was ist seine Expertise? Wieder ein schalkhaftes Lachen. „Naja, ich bin ja nicht ganz unbeleckt. Nach fast 50 Jahren in dem Geschäft kennste jeden und hast fast alles gesehen.“ Letztlich aber treffe er, wenngleich nicht ohne den Rat von Kunstverrückten und -wissenschaftlern, subjektive Entscheidungen: „Ich hab’s mit der Malerei als universelle, kräftige, allgemeinverständliche und zeitlos gültige Ausdrucksform, ob abstrakt oder realistisch. Ich mag den Geruch von Farbe. Dabei kann Farbe aber auch ruhig mal im Foto daherkommen. Oder dreidimensional als Skulptur.“

 

Nun kostet so ein Unterfangen ja auch eine Kleinigkeit. Miete, Transport, Aufbau, Abbau, Versicherungen, Einladungen, Katalog, Vernissage, Finissage und, und, und … Also beflügelt Knab & Knab der rein mäzenatische Anspruch? Nicht ganz: „Kostendeckend sollte das schon sein. Wir hoffen, dass unser Engagement und unsere Auslagen über eine Provision am Verkauf der Exponate auf Dauer kompensiert werden.“ Dafür geben sich Vater und Sohn zwei bis drei Jahre Zeit. „Und dann gucken wir weiter.“

 

Was das Weitergucken im Hinblick auf zukünftige Ausstellungen betrifft, ist Edmund Knab zuversichtlich. „Wir haben inzwischen fast 50 richtig gute Künstler in der Warteschleife.“ Ein paar große Nummern hat er dank seiner vielfältigen Kontakte auch in der Pipeline. Da fallen Namen wie Thomas Schütte, Markus Lüpertz, Imi Knoebel. Aber ist das nicht genau der von ihm verschmähte Mainstream? Und wieder kommt der selbstironische Pragmatiker zum Vorschein: „Naja, da wohnen dann halt doch zwei Seelen in meiner Brust. Und der Fokus liegt außerdem auf Künstlern aus der Region.“

 

Was freilich Interessenten, Sammler, Käufer betrifft, sei Luft nach oben. Aber auch hier ist Knab vorsichtig optimistisch: „Wir müssen uns in der Viersener Szene und darüber hinaus noch besser vernetzen und abstimmen. Wir müssen auch die Werbemaschinerie effektiver bedienen. Aber dann kann das werden – es gibt genug potentielle Sympathisanten.“

 

Zum Schluss noch eine Anekdote, denn sie erklärt diesen Mann, der mal einfach so eine „Kunsthalle“ behauptet, besser als jede Vita:

Als Edmund Knab, Volksschüler, gelernter Schlosser und nach eigenem Bekunden ohne jegliche Berührung mit Kultur weit vor der Gründung seiner eigenen Firma als junger Mann beim Logistikunternehmen Kühne & Nagel anheuerte, sollte er etwas aus Joseph Beuys‘ Atelier transportieren. „Der Scheiß soll Kunst sein?“ – so entfuhr es ihm. Leider bekam Beuys das mit und verwies ihn der Räume. Später wurden sie Kumpels. Und der Zwischenfall war eine Lehre und darüber hinaus ein Motto fürs Leben: „Nie über ein Kunstwerk urteilen. Nicht sagen: Ist das Kunst? Oder: Das kann ich auch. Höchstens: Damit kann ich was anfangen – oder nicht.“

Im Gespräch.

Nächste Ausstellung!

Die Sprache des Materials

  1. September 2018

Ab 12 Uhr

Gruppenausstellung und 1 jähriges Bestehen
der Kunsthalle Viersen

Unter dem Titel:

Die Sprache des Materials

Mit den Künstlern:

Julia Lohmann

Marcel Hardung

Günther Thorn

 

Weitere Termine sind noch in Planung

Wo?

Kunsthalle Viersen

Süchtelner Straße 74
41747 Viersen
www.kunsthalle-viersen.de

Öffnungszeiten:

Freitag: 11:00 Uhr – 17:00 Uhr
Samstag: 11:00 Uhr – 17:00 Uhr
Sonntag: 11:00 Uhr – 17:00 Uhr

+49 (0) 21 62 – 578 5888
info@kunsthalle-viersen.de

Kunsthalle Viersen
Ausstellung
16. September bis 28 Oktober 2018

 

Julia Lohmann Marcel Hardung Günter Thorn
Die Sprache des Materials

„Die Werke von Julia Lohmann, Marcel Hardung, Günter Thorn in der Ausstellung der Kunsthalle Viersen sind ein Zeitbild, bei denen das Material symbolischen Charakter gewinnt. Veränderungsprozesse finden statt. Die technische und digitale Welt bekommt Sprünge, wird fragil, strukturiert sich um. Mit ihren jeweiligen Rauminstallationen schaffen die Künstler dementsprechend einen Parcours aus unterschiedlichsten, häufig industriellen, Werkstoffen, man findet Beton, Glas, Holz, bemaltes Aluminium, Stahl, große mit Prägungen versehene Papierbahnen in großer Labilität, Fragilität, Mutation. Die verwendeten Materialien scheinen brüchig zu werden, Risse zu bekommen, den Raum in immaterielle Schwingung zu versetzen. Gerade in diesem jeweiligen Mutationsprozess der Materialsprache liegt der ästhetische und erkenntnistheoretische Zusammenhalt der Präsentation.

Die Welt scheint aus den Fugen geraten. Nichts steht hier in den gezeigten Arbeiten auf sicheren Beinen. Die Sedimente liegen frei, sie verschieben sich, Erdschollen türmen sich und stürzen ein, Bilder entfärben sich, einst funktionstüchtige elektrische Geräte werden einbetoniert, die Elektronik wird in Papierbögen eingeschweißt, wird außer Kraft gesetzt, Glasscheiben stehen auf der Kante in labiler Balance, werden nur von Magnetfeldern aufrecht gehalten. Diese prekäre Materialsituation ist der „rote Faden“, der das Ensemble der drei Künstler zusammenhält.“
Stephan von Wiese, zitiert aus dem Katalogtext zur Ausstellung

Letzte Ausstellung Peter Schmersal.

Kunsthalle Viersen@GKF 2
Kunsthalle Viersen@GKF 16
Kunsthalle Viersen@GKF 51
Kunsthalle Viersen@GKF 65
Kunsthalle Viersen@GKF 115
Kunsthalle Viersen@GKF 125
Kunsthalle Viersen@GKF 230
Kunsthalle Viersen@GKF 268
Kunsthalle Viersen@GKF 323
Kunsthalle Viersen@GKF 338
Kunsthalle Viersen@GKF 362
Kunsthalle Viersen@GKF 363
Kunsthalle Viersen@GKF 385
Kunsthalle Viersen@GKF 412
Kunsthalle Viersen@GKF 449
Kunsthalle Viersen@GKF 619
Kunsthalle Viersen@GKF 628
Kunsthalle Viersen@GKF 654
X