Narzissen (Narcissus)

soo gelb
Jetzt leuchtet Sie wieder am Straßenrand, die Osterglocke, die auch Narzisse heißt. Narzissen haben den Vorzug, prächtig auszusehen und zugleich doch pflegeleicht zu sein. Divenhaft sind sie überhaupt nicht. Weswegen man sie spontan auch nicht mit jenem selbstverliebten Jüngling namens Narziss in Verbindung bringen würde, von dem der griechische Dichter Ovid in seiner Sage erzählt.
Und doch verdanken sie ihm ihren Namen. Weil der atemberaubend schöne Narziss, der Sohn des Flußgottes Kephios, die Liebe der Bergnymphe Echo verschmähte, verzehrte sie sich vor Gram derart, dass sie zum Felsen wurde, dem nur noch die Stimme übrigblieb. Um die Herzlosigkeit des jungen Mannes zu vergelten, schritt Nemesis ein, die Göttin des gerechten Zorns, und bestrafte ihn damit, dass er in unstillbarer Liebe zu sich selbst entbrannte. Als er sein Spiegelbild in einer Quelle erblickte, war es um ihn geschehen. Schließlich bereiteten die mitleidigen Götter seinen Qualen ein Ende, indem sie ihn in eine schöne Blume verwandelten …
Die freilich bis heute nichts von der Gefährlichkeit ihres Namensgebers eingebüßt hat: Narzissen-Alkaloide können bereits in kleinen Dosierungen Würgereiz, Erbrechen, Diarrhoe, Schläfrigkeit, Schweißausbrüche, Benommenheit und sogar einen Kollaps oder Lähmungserscheinungen auslösen. Aber man soll sie ja auch nicht essen. Nur anschauen!
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