Im Zeitalter des Wäschetrockners ist das ein seltener Anblick geworden: Die Wäscheleine. In den USA ist man der Ansicht, Wäscheleinen seien hässlich, und der Wert eines Hauses kann um 15 Prozent sinken, wenn in der Nachbarschaft draußen angeklammert wird.

Ob das hierzulande auch so empfunden wird? Hier sieht es zumindest nicht danach aus. So eine große Rasenfläche hinter dem Mietswohnungsblock, nicht etwa fein säuberlich in einzelne Parzellen unterteilt und per Maschendraht oder Jägerzaun abgetrennt, sondern sozusagen „eine für alle“, hat doch wirklich ihren Charme.

Sie verheißt endlich wieder nach draußen kommen nach diesem langen Winterschlaf, nachbarschaftliches Miteinander, spielende Kinder, grillende Eltern – und Hemden, Handtücher und Bettlaken, die frisch duftend im Wind flattern.

Im öffentlichen Raum…

Im 19. Jahrhundert waren Wäschestücke im „öffentlichen Raum“ gang und gäbe – in Viersen noch mehr als anderswo, war doch die Weberei das führende Gewerbe in der Stadt, die das soziale und wirtschaftliche Leben entscheidend prägte.

 

Und wenn es dann daran ging, den Tüchern ein strahlendes Weiß zu verpassen, wurden sie auf Wiesen am Rande der Stadt ausgelegt und von den Leinenbleichern, die eine eigene Zunft bildeten, mit Hilfe der „Jüüt“, einer langen Kelle, mit Wasser bespritzt.

 

Die Sonne tat ein übriges. Straßennamen – die Bleichstraße in Alt-Viersen etwa oder „An der Bleiche“ in Süchteln – sind Zeugen dieser Zeit.

 

Und so hat die Wäsche unter freiem Himmel hier eine gute alte Tradition.

 

Verweis auf ein Meisterwerk:

Max Liebermann, Die Rasenbleiche, Wallraf-Richartz-Museum Köln

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