"Die Macher" vom Jazzfestival

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Wer hinter der ganzen Organisation des Festivals steckt und wieviel Herzblut und harte Arbeit da mit hinein gebracht wird, hat MAG-4 mal erfragt.

Das Jazzfestival ist eine Institution in Viersen, international genau so anerkannt, wie national beliebt, feiert das Jazzfestival dieses Jahr sein 25. Jubiläum. Was kaum einer weiß, es ist eigentlich schon älter. Tanja Muschwitz, ihrerseits vom Kulturamt, Tobias Kremer organisatorischer Leiter und natürlich Ali Haurand der musikalische Leiter des Festival, fanden für ein "kleines" Interview trotz Termindruck noch Zeit. Ali Haurand trafen wir zwischen zwei Auftritten - einem in den Niederlanden und einem in Paris - im Mokka in Viersen. Tanja Muschwitz, nahm uns nach der Pressekonferenz anschließend mit in ihr Büro und ließ relativ gelassen ihr Telefon einfach klingeln. Tobias Kremer kam von einem heiklen Außeneinsatz - ein Fahnenmast mit dem Jazzfestivalbanner hing abschüssig über einer Straße - trotzdem rechtzeitig noch zum Interview. Alles ganz normal! Alle drei haben die Ruhe weg und auch die Kompetenz, die nächsten 7 Tage und "allem was da noch kommt" ins Auge zu sehen.

 

Beginnen wir mit einem Gespräch mit Ali Haurand - dem Spiritus Rector des Jazzfestivals Viersen

MAG-4Für diejenigen die es immer noch nicht wissen, sie haben das Festival damals ins Leben gerufen und ab 1987 sind sie musikalischer Leiter des Festivals geworden, als Initiator und Inspirator des Jazzfestivals Viersen erzählen Sie uns bitte wie alles begann?
Ali HaurandIch nenn es ja "die Musik der dritten Sprache" und ich hatte  ja ein erstes Festival gemacht 1969, das war ja schon in der  Festhalle und hatte ja die VHS-Jazzclub für die Stadt 1967 gegründet und das eigentliche Motiv war 1987 ja nicht im ersten Gang das Jazzfestival für Viersen, sondern wir hatten 10 Jahre das European Jazz Ensemble, was ich aber gegründet hatte 1976, was dann eigentlich 11 Jahre waren, dumm gelaufen (und lacht), aber ich hatte mit der Stadt gesprochen und gesagt ich möchte ein Konzert geben zur Gründung des EJE. Die Musiker kamen aus Frankreich, Holland, England, Tschechien, Italien und das war kein Problem wurde auch sofort zugesagt und also bin ich nach Köln zum WDR gefahren und hab mit Dieter Hens, der jetzt noch als Moderator tätig ist, gesprochen. Der meinte für den ganzen  technischer Aufwand wäre das ein bisschen wenig, nur für eine Band, wenn da ein paar Bands mehr wären, dann würde der WDR gerne kommen. Das war eigentlich die Gründung des Jazzfestivals. Ich bin nach Viersen zurück gefahren und habe das den Zuständigen bei der Stadt erzählt und habe ihnen gesagt, die haben zugesagt aber man müßte ein wenig mehr machen und dann ich 14 Gruppen aus Europa eingeladen, das war das erste Festival 1987. Das war auch die erste Zusammenarbeit mit dem WDR Fernsehen und WDR Hörfunk. Das war eine sehr schöne Angelegenheit. Ich hatte nicht den Gedanken damals schon 1987, dass es 25 Jahre durch läuft. Es war ja auch manchmal schwierig, Kommunen haben auch immer mal finanzielle Probleme, aber ich dachte schon, dass es wichtig wäre für Viersen. Wir hatten ja immer sehr interessante und bekannte Festivals in der Nähe, z.B. das Festival von Moers was ich 1972 mit begründet habe und dort auch am Anfang die Programme zusammen mit Burkhard Henn gemacht habe. Zwei, drei Jahre später hatten wir dann auch Konzerte wie z.B. Chick Corea. Ja und nach 25 Jahren Künstlerischer Leiter bin ich jetzt 68 Jahre und beschäftige mich nach wie vor mit Jazz, das ist schon komisch (und lacht herzlich).

MAG-4 Wie darf sich ein Außenstehender Ihre Arbeit als musikalischer Leiter des Festivals vorstellen?

Das ist manchmal nicht so einfach, aber ich lebe in der Jazzmusik und war in über 67 Ländern mit dieser Musik und habe natürlich vieles erlebt. Es ist natürlich so, dass ich nicht die Rolle des Promoters spielen muss und das ist in allen Ländern so. Die Künstler sprechen mich an und ich bekomme die Angebote von Gruppen und von Musikern in Europa und auch von den ganzen Agenturen in Amerika und das schon lange vor dem Festival „Hey Ali wir wissen das Festival läuft…“ Man muss sich natürlich immer ein bisschen Gedanken machen, finanziell sind natürlich in Viersen nicht diese riesen Summen möglich, man muss immer sehr vorsichtig sein, weil es sind seit ungefähr 19 Jahren immer noch nur die identischen Summen für die Gagen möglich. Es waren ja früher immer die 3 Tage, da war das Festival immer von freitags bis sonntags, plötzlich wurden es aus finanziellen Gründen 2 Tage und sehr schön finde ich, dass es wieder seit dem fünften Jahr 3 Tage sind, weil wir haben am Sonntag immer das „Juniors Open“, also für Kinder und junge Menschen. Also ich nenne es ja "Musik der dritten Sprache" und manchmal denken sie alle „Ali ist sowieso bekloppt“, aber die jungen Menschen an die Musik heran zu führen, das ist etwas sehr sehr Schönes.

MAG-4Sie sind schon seit Jahren ein eingespieltes Team, mit Frau Muschwitz und Herrn Kremer zusammen. Was schätzen Sie an Ihren Kollegen am meisten?
Also ich kannte den Tobias ja schon als er noch ein Kind war, so 13 Jahre alt und ich machte Workshops und dort habe ich ihn kennengelernt. Dann habe ich mitbekommen und fand dies sehr interessant, denn er kommt ja aus Kempen, dass er auch vom Niederrhein kommt. Dann hat er sein Studium gemacht an der Musikhochschule, Rob van den Broeck, Mitglied es European Jazz Ensemble, war dort Dozent und so habe ich alles gut mitbekommen und dann wurde er 2001 ein „kleiner Mitarbeiter“, damals war noch Herr Greuwers der leitende Mann und das fand ich sehr schön. Tobias war ein junger Mann mit sehr viel Intensität und Interesse am Jazz und arbeitete von da an mit. Ich weiß nicht ob er jetzt im 5 oder 6 Jahr die Organisation schon leitet, aber das macht er sehr professionell. Er lebt ja auch seit vielen Jahren in Köln, hat gute Verbindungen und man muss ihn schon loben. Zu Tanja Muschwitz muss ich sagen – es waren ja vorher immer andere Leute und es wurde gewechselt – und die Tanja hat sich seit vielen Jahren immer sehr für das Festival eingesetzt und die Zusammenarbeit mit ihr ist sehr angenehm.

MAG-4 Bitte noch ein oder zwei Worte zum Auf und Ab der letzten Monate um das Jazzfestival.
Also für mich war es manchmal ein wenig anstrengend was ich alles so mitbekam. Ich kenne ja nun doch viele Menschen, die hier in der Kommune und beim Festival tätig sind und dass das Festival zu einem Problem werden könnte….
– Also dieses Jahr ist 25 jähriges Jubiläum – und dieses Jahr sagen alle JA zum Festival, aber ab 2012 wird es nicht mehr möglich sein. Da habe ich natürlich meine eigene Meinung und habe dies auch mitteilen müssen. Ich glaube nicht, dass dies jeder so wunderbar fand. Weil alle immer sagen für Ali ist Jazz das Wichtigste, aber ich denke auch, dass es wirklich wichtig ist, denn Jazz hat etwas ganz besonderes und warum es mich als junger Mensch schon so fasziniert hat ist, weil es eine Musik ist, die über viel Toleranz, über Religionen und Hautfarben geht und dies ist etwas wunderbares. Ich fand es schön, nach den Riesenproblemen und Schwierigkeiten  -  und was genau noch alles so intern noch passierte habe ich nicht natürlich nicht alles mitbekommen -, dass sich nach und nach von den Parteien die Signale kamen, „Ali regt dich nicht auf, das Festival wird weitergehen“ Es wird sicherlich finanziell immer noch ein Problem, aber wir können mitteilen, dass das Festival 2012 stattfinden wird.

MAG-4 Am Sonntag werden Sie zusammen mit Tobias Krämer die Kunst des Improvisierens, an Kinder und Jugendliche in einem Jazz- Workshop weitergeben. Ihr Engagement für Kinder und Jugendliche ist besonders. Wie und was möchten Sie diesen Kindern und Jugendlichen vermitteln?
Ich habe die Stücke vorbereitet, kleine Stücke, Kinderlieder und mache so etwas wie A-Moll oder C-Dur und gehe mit Ihnen diese Tonarten durch. Sie können auch etwas Eigenes spielen und natürlich habe ich auch ein paar richtige Jazzstücke im Gepäck. Es kommen ja in diesem Jahr wieder viele Anmeldungen, aber es sind auch Kinder dabei, die sind 8 – 10 Jahre alt, da muss und sollte man auch nicht so streng vorgehen. Diese Kinder an den Jazz heranzuführen, finde ich einfach wunderbar und ich habe insgesamt 15 Stücke vorbereitet, für alle Kinder. Da sind immer 4 – 5 Stücke bei, die nicht leicht sind, aber in den ersten 2 Stunden muss man erst feststellen wie alles läuft, dann kann man auch sagen man macht nur Quintett oder Sextett. Aber man muss auch "einfache Liedchen" spielen. Ich habe auch Kinderlieder für die Jugendlichen gemacht. Mir ist wichtig sie daran zu führen, man muss Ihnen auch ganz langsam beibringen „Was ist Jazz?“,  man kann den Kindern ja nicht sagen „Jazz ist Improvisation“. Deshalb sage ich auch immer, wenn sie mal den falschen Ton spielen und sich andere aufregen, das sind „Blue Notes“ und nur junge Menschen. Sehr schön finde ich, dass sich in den letzten Jahren auch ohne große Werbung, aus allen Teilen des Niederrheins Kinder sich anmelden, um am Wochenende vor dem Festival in der Kreismusikschule ein kleines Konzert zu machen und dies dann am 3. Tag bei der Juniors Open zuspielen und zu präsentieren.

MAG-4 Natürlich muss ich jetzt auch nach dem European Jazz Ensemble fragen, was wird uns dieses Jahr erwarten?
Das European Jazz Ensemble wurde von mir 1976 gegründet und beim letzten Mal als wir 30 jähriges Jubiläum gefeiert haben, waren wir 16 – 17 Musiker und insgesamt waren bislang Musiker aus 41 Ländern in dieser Gruppe vertreten. Wunderbar ist natürlich dass der Saxophonist Alan Skidmore aus London, der dieses Jahr auch in Viersen ist, schon 1976 dabei war und der wunderbare Saxophonist der in der Nähe von Breslau geboren wurde, aber schon ewig in Köln lebt, der schon 1960 bei Kurt Edelhagen spielte und einer wunderbarsten Saxophonisten in Deutschland ist, ist Gerd Dudek, wir Drei haben das European Jazz Ensemble gegründet und haben immer wieder andere Musiker eingeladen. Alan Skidmore war auch zwei, drei Jahre nicht dabei, aber ist jetzt zum 35sten wieder mit dabei. Wir haben in den letzten sechs Monaten wunderbare Konzerte gehabt.   Was für mich sehr schwierig war, wir hatten einen Saxophonisten, der Amerikaner war, aber ewig in Köln lebte, Charlie Mariano, der hat uns verlassen und dann habe ich 31 Jahre mit dem Schlagzeuger aus Birmingham, Tony Levin, gespielt - der hat uns im Februar auch verlassen. Das war für mich alles sehr schwierig, wir sind ja jetzt alle um die 70Jahre…

Jetzt habe ich ein wunderbares neues Talent aus Deutschland entdeckt, Matthias Schrievel, ein Trompeter der aus dem Allgäu kommt und in Köln lebt und habe ihn eingeladen. Also zwischen uns älteren Menschen haben wir jetzt einen 30 jährigen jungen Trompeter. Nach dem Jazzfestival in Viersen werden wir im Herbst noch in sieben Ländern auftreten und unser 35. feiern. Ich nenne es ja manchmal unsere „Rentnerband“, dann sagen die anderen immer „Ali hör auf, wir sind keine Rentnerband“, aber das finde ich so wunderbar, dass man nach so vielen Jahrzehnten zusammen geblieben ist und sich immer noch dafür einsetzt.

MAG-4 Die letzte Frage, welchen Künstler würden Sie gerne einmal mit beim Jazzfestival Viersen dabei haben?
Ja da gibt es einige Ideen… aber es gab immer so eine Idee, in den letzten Jahren habe ich immer gedacht irgendwann wäre mal toll mal einen Musiker, der auch schon mit Miles Davis zusammen gespielt hat, zu bekommen und das wäre Herbie Hancock, das war immer meine Idee. Aber das ist finanziell nicht so einfach, aber es wäre schön wenn es irgendwann mal funktioniert und das wäre auch für die Kommune Viersen etwas Wunderbares.

 

 

Tobias Kremer der organisatorische Leiter des Jazzfestivals gib uns gerne Auskunft

MAG-4 Sie sind Musiker, Arrangeur, musikalischer Direktor bei einigen großen Events, bei Film und Fernsehproduktionen, nicht zu vergessen Ihre Tobias Kremer Big Band die u. a. bei der Verleihung beim deutschen Filmpreis dabei ist. Was hat Sie nach Viersen zum Jazzfestival verschlagen?
Tobias KremerEigentlich bin ich Kempener und bin 1975 geboren und habe im Alter von 13 Jahren einen Jazzworkshop bei Ali Haurand mitgemacht. Ali war ausschlaggebend dafür verantwortlich, dass ich mich für Jazz interessierte und es anschließend studiert habe. Das heißt Ali Haurand war in dieser Hinsicht schon mein Mentor. Wir trafen uns dann bei anderen Berührungspunkten wieder, als ich 2001 nach meinem Jazz und Saxophon Studium kulturelles Management studiert habe und ich dann im selben Jahr als Praktikant zum Jazzfestival nach Viersen kam, im Rahmen eines Kulturmanagement Studiums. Dann habe ich es ausgehalten bis 2005 (lacht) und 2006 wurde ich dann organisatorischer Leiter.

 

 

MAG-4 Was ist Ihre Aufgabe beim Jazzfestival?
Veranstalter ist ja die Stadt Viersen, also die Kulturabteilung die vertreten wird von Frau Muschwitz und im Jahre 2006 war es dann so, dass die organisatorische Leitung des Festivals an mich outgesourced wurde und dann hat sich die Struktur gefestigt: künstlerische Leitung Ali Haurand und organisatorische Leitung Tobias Kremer und das Overall Management macht dann die Kulturabteilung. Da diese allerdings so viele Veranstaltungen über das ganze Jahr verteilt haben, hat man mich dazu genommen, das hat den Grund, dass ich das Festival und die ganzen Abläufe schon so gut kannte und dass ich die Produktionsseite vom WDR kenne.

MAG-4 Bitte beschreiben sie für Außenstehende doch mal Ihre komplette Aufgabe.
Ich kümmere mich in den Anfängen des Jahres, gemeinsam mit Ali Haurand um die Programmgestaltung, also um das Aussuchen der Künstler, dann übernehme ich die Vertragsgestaltung, schlage der Stadt Viersen Verträge mit den Agenturen oder Künstlern vor, verhandele die Senderrechte mit dem WDR und 3SAT, kümmere mich um Angeboten in Sachen Hotels, Catering, Technik, Transport, die Ausleihe von Instrumenten, also den ganzen technischen Ablauf.

MAG-4Wie lange vor einem solchen Event fängt die Planung an?
Mittlerweile ist es so, dass die Planung jetzt schon für das Festival 2012 läuft, dass wir mittlerweile sehr vorausschauend planen, konkreter wird es dann im Jahresablauf eigentlich immer so im Februar, dass dann die ersten Verträge mit den Künstlern geschlossen werden und so richtig spannend wird es kurz vor dem Sommer. Dadurch dass die Veranstaltung immer kurz nach den Sommerferien beginnt, gibt es davor immer einen kleinen Stau und nach den Ferien ist dann Stress total. So wie jetzt gerade.

MAG-4 Sie sind in all den Jahren zusammen ein festes und eingespieltes Team geworden. Was schätzen Sie an Ihren Kollegen am meisten?

Ali Haurand ist für mich nicht nur ein Kollege, Ali ist mein Freund und Mentor. Von ihm habe ich ganz viel gelernt. Von meinen Kollegen hier im Haus schätze ich ihre Flexibilität, ihre Erfahrung mit den Veranstaltungen, dass sie wenn es auf der organisatorischen Seite heiß her geht trotzdem sehr cool bleiben und dass Sie alle trotz Ihrer vielen anderen Aufgaben leidenschaftlich für das Jazzfestival da sind.

MAG-4 Nehmen persönliche Musikvorlieben bei Ihnen Raum für die Gestaltung der Besetzung des Jazzfestivals ein?
Ja und Nein. Also es ist ja nicht so, dass dies für einfach nur eine Veranstaltung ist. Ich kenne auch Arbeitsfelder wo ich die Projekte leite, an denen nicht so viel Herzblut dran hängt. Hier ist es allerdings so, dass ich sozusagen vom Jazz komme und dass ich damit meine zwei großen Leidenschaften – also Projekte zu organisieren und Jazzmusik- verbinden und von da her lautet die Antwort auf Ihre Frage: „Manchmal“ (lacht). Ich würde allerdings nicht, nur weil ich etwas total super finde eine Band vorschlagen, aber manchmal ist es so, dass man denkt WOW, jetzt kommt mal jemand, den man sich schon immer gewünscht hat.

MAG-4 Hätten Sie vielleicht ein bis zwei Worte um das „Auf und Ab“ des Jazzfestivals der letzten paar Monate?
Eigentlich kenne ich ein „Auf und Ab“ beim Jazzfestival von Anfang an. Eigentlich ist es eine Herausforderung und Belastung mit der ich aufgewachsen bin. Vielleicht bin ich mittlerweile schon fast zu cool. Also das rheinische Credo „Et hätt noch immer jot jejange“ darf man allerdings nicht zu sehr ausreizen. Bis jetzt setzt sich allerdings immer durch, was das Festival eigentlich ist, nämlich eine sehr wichtige Veranstaltung für die Region und für die Stadt Viersen als Aushängeschild und eben ein mit sehr viel Leidenschaft hergestelltes Produkt. Die harte Arbeit in der Vergangenheit hat das Jazzfestival auch zu einem konkurrenzfähigen Produkt gemacht, also zu einem Produkt was auch immer wirtschaftlicher wird. Von daher sehe ich ganz gute Chancen für ein Jazzfestival in Viersen.

MAG-4 Wie ist die Zusammenarbeit mit den Sponsoren?
Sehr gut! Also wir sind angewiesen auf Sponsoren. Allerdings Sponsorenaquise zu betreiben, in Form von Finanzmitteln oder Sachmitteln in der Größenordnung wie wir sie benötigen, ist fast unmöglich. Ohne die Niederrheinwerke und der Bürgerstiftung der Sparkasse ginge es einfach nicht und wir sind sehr froh über diese Sponsoren. Man kennt sich nun schon seit Langem und die Zusammenarbeit ist sehr gut. Aus meiner Sicht, auch weil die Kommunikation öfters mal auf kurzem Weg funktioniert, ist die Zusammenarbeit sehr gut.

Tobias Kremer - immer bei der ArbeitMAG-4 Also wäre durchaus noch Platz für kleinere Sponsoren?
Ja! Von Seite der Politik oder Verwaltung wurde auch immer wieder an uns herangetragen, dass wir ganz viele kleine Sponsoren akquirierensollten. Natürlich ist auch für viele kleine Sponsoren Platz, allerdings hat die Vergangenheit gezeigt, dass es nichts bringt Anzeigen für 150€ oder 500€ zu verkaufen. Da haben wir Erstens nicht so viel zu bieten und Zweitens ist der Aufwand der Verwaltung sehr  hoch. Kurz gesagt, im Bereich der 3 oder auch 4 stelligen Sponsoren – wobei  4 stellig schon eine sehr interessante Sache wäre – würde es sehr schwierig die Sponsoren zu betreuen, da das Team dafür einfach zu klein wäre und wir den Sponsoren auch einfach nicht so viel bieten können.

MAG-4Sie sind ein Vollblutmusiker und haben die organisatorische Leitung des Festivals, reizt es Sie nicht manchmal selber beim Festival zu spielen?
Das ist eine wirklich gute Frage. Ehrlich gesagt reizt es mich nicht, denn ich habe auch immer ganz am Anfang immer gesagt, dass es für mich erst in Frage kommen würde, wenn ich in ein reiferes Alter gekommen bin und dann auch noch musikalisch etwas zu bieten habe. Also es ist so: Der Ali H. gibt immer noch gut auf mich acht, dass ich weiterhin Jazz spiele und lädt mich Abständen von 2 bis 3 Jahren immer mal wieder ein für den Jazz-Zirkel im Weberhaus in Süchteln zu spielen, welches ich dann auch gerne mache, allerdings fällt es mir auch immer schwerer da ich zu sehr in produktionsmäßige Abläufe eingebunden bin. Ich spiele immer noch regelmäßig Saxophon – auch ganz toll (lacht), aber es wäre vermessen auf dem Festival zu spielen. Allerdings würde ich auch als großer Jazz-Saxophonist auf meinem, also dem Viersener Jazzfestival nicht auftreten. Hier ist mein Job ein Anderer. Vielleicht beim Bier, nachts auf einer Session, aber nicht auf einer großen Bühne.

MAG-4 Hätten Sie vielleicht ein paar nette Anekdoten aus der jetzt anlaufenden „heißen Phase“ für unsere Leser parat?
Bis jetzt ist alles noch ganz ruhig, dass heißt es gibt keine Katastrophenmeldungen, oder Anekdoten die zu Katastrophen werden könnten, oder es schon nicht mehr sind. Meiner Meinung nach kommt dies glaube ich erst noch, dass es etwas Lustiges, Spannendes oder Aufregendes zu erzählen gibt.

 

Tanja Muschwitz vom Kulturamt der Stadt Viersen

Tanja Muschwitz ist Kulturreferentin der Stadt Viersen und zuständig für verschiedene Bereiche, unter anderem auch für das Jazzfestival. Zu ihrem Bereich gehört  die Viersener Festhalle, die städtische Galerie im Park, das Stadtarchiv, das  Weberhaus,  der Bereich Kultur und Schule, also dass Was an kulturelle Bildung stattfindet und u.a. übergeordnet die Koordinierung zum Kulturraum Niederrhein.

MAG-4 Was ist Ihre Aufgabe beim Jazzfestival?
Tanja MuschwitzMeine Funktion ist  eine Steuerungsfunktion im Hintergrund. So sind wir    als Veranstalter Stadt Viersen von Anfang an mit in der Planung, Konzeption und Diskussion     zum jeweils folgenden Festival  beteiligt.,. Eine weitere Aufgabe ist die Ablaufplanung des Festivals, also in diesem Jahr ist z. B. der 4. Tag dazugekommen, da kam die Idee aus unserem Haus, um das Jubiläum entsprechend zu feiern -  und natürlich noch alle zusätzlichen Veranstaltungen, rund um das Festival. Der 3. Tag ( Junior´s Jazz Open`) ist als Idee innerhalb des Teams der Kulturabteilung entstanden. Darüber hinaus begleiten wir das Festivals verwaltungstechnisch,  das heißt  wir bearbeiten u.a. die Verträge, Koordinieren die  Hilfskräfte, Presseterminen, Sponsorengespräche u.a. Sozusagen erfolgt die organisatorische `Backline` über die Kolleginnen und Kollegen der Kulturabteilung  Heimbachstrasse. Als künstlerrischer Leiter hat Ali Haurand im Bereich der Programmplanung   die Fäden in der Hand, aber dennoch machen wir als Team Kulturateilung Vorschläge zum Programm, wie jetzt Trombone Shorty zum Beispiel, oder Vorschläge für den `Junior´s Jazz Open ´. Die Bühne zwei und drei enthält programmatisch auch immer Ideen des organisatorischen Leiters Tobias Kremer.  Insgesamt erfolgt die programmatische Planung anteilig dialogisch! Mag-4 - Wie kann man sich die Organisation und die Planung eines solchen Festivals vorstellen. Wie lange Vorlauf braucht man und wann fängt man mit der Planung an?
Eigentlich immer… (lacht). Man müsste jetzt eigentlich schon mit der Planung für das nächste Jahr anfangen, das passiert jetzt auch, in dem wir uns jetzt auch schon andere Konzerte anhören und schauen was im nächsten Jahr passen könnte. Ali H. hat für das nächste Jahr auch schon Vorschläge gemacht. Im Prinzip ist es so, dass wir nach Abschluss des aktuellen Festivals auch schon die Verträge mit dem organisatorischen und künstlerischen Leiter für das folgende Festival versuchen abzuschließen. Das beginnt schon einen Tag nach dem Festival, zusammen mit der Pressedokumentation und der Aufbereitung.

MAG-4 Sie sind schon seit Jahren ein festes und eingespieltes Team. Was schätzen Sie an Ihren Kollegen am meisten?

Tanja Muschwitz in Vorbereitungen in der FesthalleDas es wirklich ein Team ist, das schätze ich sehr, dass es da nicht eingeschränkte Verantwortlichkeiten gibt im Sinne von – ich bin aber nur zuständig für dieses oder für jenes – sondern, dass das Team als solches funktioniert. Das man über den Tellerrand schaut und die anderen Dinge mitdenkt und dann auch mit agiert und mit handeln kann. Das beginnt beim Stühle schleppen, über Teller spülen und endet mit der Beratung von künstlerischen Besetzungen. Das ist schon ein großes Gut! Wenn ein Festival überleben soll, dann hängt das auch ganz stark an den Mitarbeitern, die damit beschäftigt sind. Auf mehren Schultern muss es getragen sein und ich sag mal so, z.B. die Kollegen aus dem Ticketverkauf: je mehr sie mit eingebunden sind und auch im Vorfeld schon einmal mit diskutiert haben ob das Eine oder Andere funktioniert, um so besser ist die Beratung der Kunden, die Übernahme jeder Aufgabe ist ein  Teil , wichtiger Teil des Festivalgefüges. . Das ist ganz großartig, dass es so gut funktioniert. Das beteuern auch immer die Künstlerinnen und Künstler die hinter der Bühne ganz besonders gut und aufmerksam betreut werden, dies übernimmt in der Regel eine Kollegin. So entsteht eine besondere, persönliche Atmosphäre, die nicht nur die Menschen auf der Bühne sondern auch das Publikum zu schätzen wissen.

Natürlich muss eine gewisse Hierarchie und Verantwortlichkeit dahinter stehen, aber dieses teamorientierte ist gerade beim Festival schon ganz wichtig.

MAG-4 Wie lange sind Sie jetzt schon dabei?
Ich habe in 2006 hier in Viersen angefangen.

MAG-4 Wer hat es vorher gemacht?
Vorher wurde  das Festival durch einen Mitarbeiter hier aus dem Haus federführend organisiert,  meine Vorgängerin als Abteilungsleitung für die Kultur,war inhaltlich nicht involviert Wir haben  ein wenig umstrukturiert und   Herrn Kremer, der seit 2001 das Festival als freier Mitarbeiter begleitet hat als organisatorischen Leiter bestellt.

MAG-4 Nehmen persönliche Vorlieben einen Raum ein, bei der Auswahl der Besetzung?
J
ein! Eine gute Frage, Programm- und Festivalplanung ist Gemengelage von Entscheidungen. Wir wollen Publikum erreichen und gute Musik präsentieren.   Persönliche Geschmäcker sind sehr unterschiedlich und natürlich gibt es auch beim künstlerischen Leiter und beim organisatorischen Leiter und bei uns selber auch Vorlieben für das Ein oder das Andere, das spielt sicherlich immer eine Rolle, wichtig ist allerdings die Qualität der Musik, die muss stimmen und das ist das „A und O“ und die Voraussetzung. Eine Gemengelage von Allem -  ohne Leidenschaft und Empathie funktioniert es  nicht, davon bin ich  überzeugt.

MAG-4 Eine oder zwei Worte noch zum Auf und Ab der letzten Monate des Jazzfestivals

Großartig, dass wir 25 Jahre Jazzfestival Viersen feiern. Es gibt andere Einrichtungen die 25 Jahre alt werden und diese sagen „wir werden 25 Jahre jung!“ und ich hoffe wir kriegen das auch hin und sagen „Hurra das Jazzfestival ist 25 Jahre jung und wir schauen nach vorne“.

MAG-4 Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Sponsoren?
Mit den aktuellen Sponsoren großartig. Es ist ein Riesengut, dass wir Viersener Großsponsoren haben, die vor Ort sind, die die Verantwortung übernehmen, mit machen und seit Jahren uns begleiten, die Niederrheinwerke, die Sparkassenstiftung Krefeld. Das ist wirklich ein riesen riesen Gut, finanziell Nachrangig sag ich jetzt mal, wobei von der Wertigkeit es mindestens genauso gut ist  Köstritzer und Skoda, die uns schon längere Zeit begleiten. Viersen ist zugegebener Maßen für die Akquise neuer Sponsoren ein schwieriger Markt. Sehr dankbarsind wir, dass das Land NRW den `Junior´s Jazz Open` ermöglicht. Ohne diese finanzielle Unterstützung wäre der Programmtag für die Kinder und ihre Familien nicht möglich.

MAG-4 Da sind wir schon bei der nächsten Frage. Im Engagement der Kulturabteilung liegt auch der dritte Tag vom Jazzfestival, der Sonntag, der den Kindern und Jugendliche zugedacht ist, erzählen Sie uns doch bitte noch ein wenig dazu.
Der liegt mir ganz besonders am Herzen wir sind damals ein Wagnis eingegangen und haben den dritten Tag des Internationalen Jazzfestivals Viersen  wieder eingeführt, den es in Vorvergangenheit schon mal gab. Man hat uns damals für verrückt erklärt und gesagt, wir brauchen drei bis fünf Jahre bis das funktioniert um die Zielgruppe Kinder und Jugendliche an Kultur heran zuführen. Das Thema war uns von Anfang an wichtig, nicht nur im Jazz sondern generell, wir haben auch eine Kollegin die den Bereich (Kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche) bearbeitet, seit 4 1/2 Jahren, so dass es quasi ein Muss war, dass das Festival sich öffnet für Kinder Jugendliche und ihre Familien. Im Jazzbereich waren wir seinerzeit  die ersten, die rausgegangen sind mit so einem rezeptiven aber vor allem auch partizipatorischem Angebot. Kinder können im Rahmen des Festivalsonntags selbst musikalisch aktiv werden. Andere Festivals haben mittlerweile nachgezogen mit dem Programm und bieten auch Familienangebote an. Wichtig ist, dass  auch die Konzerte für Kinder und Jugendliche  ganz ganz hochwertig sein müssen.

MAG-4 Ich selber habe schon von eingefleischten „älteren“ Jazzern gehört, das der Sonntag schon ein richtiger Geheimtipp ist, nicht nur für Kinder und Jugendliche.

Der Sonntag ist ein toller Tag und hat eine ganz besondere Atmosphäre, hohe musikalische Qualität, frisch, teils frech und keck, manchmal überraschend –  immer strahlend gute Stimmung!  Man muss  einfach vorbeikommen, hören, mitmachen  - sich  selbst ein `Bild` machen….

MAG-4 Das lassen wir jetzt genauso stehen und freuen uns auf vier Tage Musik der Extraklasse.