Rückblick - 25. Int. Jazzfestival Viersen

von 

In einem Interview mit Ali Haurand, der von Anfang an der Künstlerische Leiter des Viersener Jazzfestivals ist, fühlt sich der renommierte Musikkritiker Wolfram Goertz (Rheinische Post vom 21.9.2011) „an wesentlich prominentere Veranstaltungen wie in Den Haag oder Newport erinnert“.

Als pauschaler, nostalgischer Rückblick auf die 25-jährige Geschichte des Festivals mag das noch irgendwie verständlich erscheinen, mit der Realität hat das immer weniger zu tun. Bei einem Gesamtetat von kapp 200.000 € können sich die Veranstalter in Viersen nicht im Entferntesten die Fülle und die Berühmtheit der Stars leisten, die in Newport und auf dem Northsea Jazzfestival (das übrigens schon seit 2006 gar nicht mehr in Den Haag, sondern in Rotterdam stattfindet) auftreten. Ali Haurand weist zu Recht mit Stolz daraufhin, dass er als selbst sehr renommierter Musiker bei seinen Kollegen oft die Preise reduzieren konnte. Aber ein Herbie Hancock oder Sonny Rollins lässt sich auch von ihm nicht die Gagen drücken.Die Festhalle in den Jazzfestivalfarben
Foto: GK
Jedes Jahr stehen die Viersener Organisatoren also vor dem Problem der Quadratur des Kreises, nämlich ein attraktives und auch prominent besetztes Programm zu bieten, das aber nicht zu viel kosten darf, vor allem wenn zusätzlich immer mehr das Damoklesschwert über ihnen schwebt, dass die Stadtverwaltung und kommunale Sponsoren ihre Zuschüsse kürzen oder streichen. Dabei wird das finanzielle Problem noch dadurch verstärkt, dass die Musiker inzwischen immer weniger durch CDs verdienen und deshalb darauf angewiesen sind, umso mehr für Konzertauftritte zu fordern. Wie etwa die im näheren regionalen Umfeld stattfindenden Jazzfestivals in Leverkusen und Düsseldorf sowie erst recht das große Northsea Jazzfestival zeigen, ist am ehesten ein breiteres und damit auch jüngeres zahlendes Publikum zu gewinnen, wenn man ein stilistisch vielseitiges Programm bietet, das auch Pop-nähere Musik einbezieht, wie z.B. die des deutschen Rappers Clueso, der sowohl in Leverkusen als auch schon in Düsseldorf ein Main-Act war.

 

So sehr wie schon lange nicht mehr bot in diesem Jahr auch das Viersener Jazzfestival ein stilistisch vielseitigeres und ausgewogeneres Programm, zu dem man die Veranstalter nur beglückwünschen kann und das insgesamt eine deutlich höhere Besucherzahl als im Vorjahr erbrachte. Aber welche Reaktion gab es im zentralen Festivalbericht des lokalen Teils der Rheinischen Post am Tag nach den Festivaltagen ? Da sorgt man sich um den „reinen Jazz“, was das auch immer sein mag, und „insbesondere unter Puristen“ wird angeblich wiederholt diskutiert, ob manche Musik auf dem Festival nicht zu „poppig“ und kaum Jazz gewesen sei, wobei man aber zugibt, dass diese Musik sehr gut ankam. Mit diesen Bedenken wird fast die Hälfte des Artikels bestritten und auch der kleine Aufmacher auf der Titelseite gefüllt. Das Kuriose ist, dass dieselbe RP-Ausgabe im allgemeinen Kultur-Teil eine Besprechung abdruckt, die das Festival erfreulicherweise bemerkenswert anders sieht. Sie ist überschrieben mit „Einfach gut – Jazz in Viersen“ und endet mit dem Satz: “Wer muss sich da noch Sorgen machen über die Zukunft des Jazz ?“ Die Autorin scheint da einige Viersener Puristen nicht zu kennen.

 

Die dürften aber jedenfalls beglückt gewesen sein über ein immer schon starkes Element des Programms der Viersener Jazzfestivals, nämlich den betont anspruchsvollen, ernsten, modernen, sozusagen lupenreinen Jazz.

 

European Jazz Ensemble
Foto: Ana Maria Vogel
Der wurde natürlich besonders prominent vertreten vom European Jazz Ensemble, das mit diesem Festivalauftritt auch sein bereits 35-jähriges Bestehen feierte. Gegründet und mit wechselnden Besetzungen zusammengehalten vom umtriebigen Ali Haurand ist dieses sehr kooperative Oktett ein besonderer Repräsentant des europäischen Jazz und überzeugte wieder mit raffinierten, komplexen Kompositionen und Arrangements sowie mit expressiven Soli, die fast stets von den harmonisch exquisiten und sehr einfühlsam getimeten Akkorden des Pianisten und alten EJE-Kämpen Rob van den Broeck untermalt wurden. Die alten Hasen der Band, die z.T. mehr als sonst auch gefälligere Töne anschlugen, haben mit dem Trompeter Matthias Schriefl und dem Schlagzeuger Clark Tracey erfolgreich junge kreative Musiker jeweils in den 5-köpfigen Bläsersatz und in die Rhythmusgruppe integriert. - Anspruchsvoll war auch der ambitionierte, moderne, manchmal etwas spröde Hardbop des technisch versierten Saxophonisten Lutz Häfner, der sich mit dem namhaften amerikanischen Gitarristen Adam Rogers eine interessante Verstärkung geholt hatte.

 

Pablo-Held-Trios
Foto: Ana Maria Vogel
In einem doppelten Sinn anspruchsvoll war schließlich der Jazz des Pablo-Held-Trios, einerseits bezogen auf den Charakter der Musik, andererseits bezogen auf das beim Zuhörer vorausgesetzte konzentrierte Zuhören. Denn das Trio des noch jungen Pianisten spielt unter völliger Aufgabe der gängigen Abfolge einzelner separater Stücke in einem abwechslungsreichen, aber kontinuierlichen Flow einen ganzen Set ohne Pause durch, versunken in weitgehend sehr introvertierte, impressionistische und meist sehr ökonomisch eingesetzte Klänge, mal rhapsodisch versonnen, mal rasant und avantgardistisch. Dabei herrscht eine Höchstmaß an Interaktion, bei dem der Bassist und der Schlagzeuger nicht primär Begleiter des Pianisten, sondern völlig gleichberechtigte Partner sind. Bei dem erst 25-jährigen Senkrechtstarter unter den deutschen Jazzpianisten ist die Abgeklärtheit seiner Musik bei seinem Alter umso erstaunlicher.

 

Wie gut es um die Qualität junger deutscher Jazzmusiker bestellt ist, zeigte auch das Konzert des BuJazzO, des vom Staat geförderten Bundesjugendjazzorchesters, das mit der ebenfalls nur für junge Musiker bis zum Alter von 24 Jahren zugängigen Perkussionsgruppe Splash auftrat. Mit geschlossenen Augen hätte man nicht gemerkt, dass hier noch so junge Musiker am Werk waren. Nur bei den Soli fehlte es dann und wann noch etwas an der professionellen Souveränität. Der Knüller dieses Konzerts, der es zu einem der überraschenden Höhepunkte des Festivals werden ließ, waren allerdings die wunderschönen Kompositionen und Arrangements der Leiterin und Pianistin Maria Baptist, die unter dem Titel „City Grooves“ faszinierend vielschichtige Klanggemälde von Großstadtleben kreiert hatte. Diese Arrangements, die manchmal an die ihrer berühmten amerikanischen Kollegin Maria Schneider erinnerten, waren zwar meist sehr komplex, aber wohl auch im Hinblick auf ihre noch jungen Musiker in vorwiegend langsamen Tempi gehalten. Zudem war das BuJazzO in Bezug auf die Leiterin wie auf einige der jungen Mitglieder der Bigband und von Splash wieder einmal ein überzeugender Beweis dafür, dass im Jazz die Frauen nicht nur als Sängerinnen immer mehr Gehör finden.

 

Karolina Strassmayer
Foto: Ana Maria Vogel
So emanzipiert ist die international besetzte WDR Big Band allerdings noch nicht. Hier gibt es mit der österreichischen Saxophonistin Karolina Strassmayer, die auch wieder ein beeindruckendes Solo beisteuerte, nur eine Frau.

Mit der generell brillanten instrumentalen und solistischen Durchführung und den klangvollen Arrangements – meist vom vorzüglichen Chefdirigenten Michael Abene – wurde wieder unter Beweis gestellt, dass sie zu Recht als eine der besten Jazz-Bigbands der Welt gilt. Wie fast immer hatte sie auch wieder einen prominenten Gastsolisten, diesmal den Saxophonisten Eddie Daniels, der sich aber vor allem als Klarinettist einen Namen gemacht hat und mitgeholfen hat, diesem leicht zu schrill oder quäkend klingenden, vor allem aus dem Oldtime-Jazz vertrauten Instrument auch im moderneren Jazz durch einen besonders angenehm wohlklingenden, klaren Ton neue Geltung zu verschaffen. Zudem steuerte er eine für diesen Anlass in Auftrag gegebene Komposition einer Suite bei, während der andere Teil des Konzerts aus sehr interessant und eigenwillig arrangierten und hervorragend interpretierten wohlbekannten Standards bestand.

 

In ganz besonderer Weise war es die Organistin Barbara Dennerlein, die in einem Doppelkonzert in der Kreuzkirche die Brücke vom betont anspruchsvollen Jazz zum stärker gefälligen und groovigen Jazz schlug, allerdings anders als 2009 nicht solo, sondern im Duo mit dem Gitarristen Fabiano Pereira. Im ersten Konzert spielte sie nämlich wieder auf der Kirchenorgel, im zweiten auf der Hammondorgel. Beim zweiten Konzert wurde einem aber überraschenderweise bewusst, wie sehr die Kirchenorgel doch eine ganz besonders beeindruckende Wucht und der dabei nur verhalten eingesetzte Swing einen ganz besonderen Reiz haben kann. Auf der Hammondorgel ist sie schon lange nicht mehr beim klassischen Jazzorgelspiel á la Jimmy Smith stehengeblieben, sondern überzeugt nicht nur durch ihre brillante Fußpedal-Technik, sondern auch durch den geschickten Einsatz moderner Elektronik. Auch im Ausland genießt sie einen sehr guten Ruf, nicht von ungefähr ist sie etwa im auch im diesjährigen, sehr renommierten Annual Critics Poll des maßgeblichen amerikanischen Jazzmagazins „DownBeat“ wieder der einzige deutsche Jazzmusiker, der dort einer Erwähnung für würdig befunden wird. Und schließlich ist auch der Charme ihrer z.T. recht ausführlichen Ansagen mit der Zeit natürlicher, lockerer und lässiger geworden.

 

Erfreulicherweise war eine Sparte Jazz stärker vertreten als in den letzten Jahren: Jazz mit einem gewissen Fun-Factor, d.h. Jazz, der auch Spaß und Wohlbefinden vermittelt, der süffige Sounds und dufte Grooves bietet und somit leicht in Pop-Nähe gerät, vor allem dadurch, dass der Gesang bei ihm eine große Rolle spielt.

 

Angela Luis
Foto: Ana Maria Vogel
So präsentierten auf der Bühne 2 die Sängerinnen Angela Luis und Lisa Bassenge mit ihren jeweiligen, sehr ähnlich und sehr kompetent vor allem mit Keyboards, E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug besetzten Gruppen gefälligen und dochLisa Bassenge
Foto: Ana Maria Vogel
geschmackvollen Pop-Jazz, der bei der ersten stärker in Richtung eleganter Smooth Jazz, bei der zweiten mehr in die Richtung des – zudem meist in Deutsch gesungenen - Chansons ging. Beide bewirkten mit ihrer süffigen Musik jeweils einen auffallend großen Zuhörerandrang.

 

Der war natürlich besonders groß bei einem derCurtis Stigers
Foto: Ana Maria Vogel
Main-Acts des Festivals, bei Curtis Stigers. Er präsentierte wieder seine eigenständige Mischung aus relativ konventionellem Middle-of-the-Road-Jazz und 90er-Jahre Pop. Er ist zwar kein herausragender Saxophonist, aber vor allem durch seine männlich-sonore Stimme und seine Qualitäten als smarter Entertainer bot er – begleitet von einer exzellenten Rhythmusgruppe - ein sehr ansprechendes Konzert, das beim Publikum sehr gut ankam. Schließlich hat er 2010 nicht von ungefähr den „Echo Jazz“ als bester Sänger International bekommen.

 

Wer nostalgisch die Klänge des europäischen Gipsy-Jazz in der Nachfolge von Django Reinhardt, aber durchsetzt mit moderneren Zwischentönen, genießen wollte, der konnte das beim Trio des 18-jährigen, mit Wunderkind-Qualitäten ausgestatteten Gitarristen Gismo Graf tun. Wer jedoch dynamisch pulsierenden, amerikanisch geprägten Funk-Jazz erleben wollte, den erwartete diesmal ein besonders reichhaltiges Angebot.

 

Da war zunächst die T-Funk-Band des in Jazz und Pop sehr umtriebigen und hier sehr gewieft aufspielenden 34-jährigen Trompeters Tobias Weidinger. Vor allem von ihm und dem klasse Keyboarder Ulf Kleiner geprägt überzeugte seine Band durch ihre Kombination von mit recht viel Elektronik angereichertem, klangvollem, atmosphärisch dichtem Sound und sehr grooviger Relaxtheit, so dass man ihr einen größeren Spielraum gewünscht hätte als den engen Keller.

 

Nils Landgren
Foto: Ana Maria Vogel
Wie stilistisch vielseitig heute viele Jazz-Größen musizieren, wurde indirekt bei einem alten Bekannten auf den Viersener Jazzfestivals deutlich, dem ebenfalls sehr umtriebigen, schwedischen Posaunisten Nils Landgren. Seine aktuelle, gerade erst erschienene CD („The Moon, the Stars and You“) enthält fast nur sehr balladenhaft-langsame, melancholische und fast besinnliche Stücke. Mit seiner ganz anders besetzten, perfekt aufeinander eingespielten und ausgebufft arrangierten Funk Unit strotzte er aber in Viersen vor überschäumender Vitalität, Lebensfreude und Energie, mit der er auch gezielt das Publikum zum Mittanzen und Mitsingen anregen konnte. Als Jazz wurde der massive Funk-Rhythmus aber wohl etwas zu wenig variiert und wirkte dadurch etwas zu gleichförmig.

 

Trombone Shorty
Foto: GK
Schließlich trat da ja noch ein anderer energiegeladener Posaunist auf, nämlich Trombone Shorty, mit einer sehr ähnlichen Besetzung von ebenfalls zwei Saxophonen sowie E-Gitarre, E-Bass und Drums und zusätzlich Percussion, aber – dem klar rockigeren Charakter dieser Musik entsprechend – ohne Keyboards. Auch der Südstaaten-Amerikaner präsentierte Funk, deutlich weniger jazzig als Landgren, dafür aber abwechslungsreicher, da er seinem Funk neben Rock sehr temperamentvoll noch viele andere musikalische Elemente beimischte: Soul, R&B, HipHop, Blues und die alte Jazz-Tradition seiner Heimatstadt New Orleans. Sein Repertoire reichte von eigenen HipHop-Kompositionen bis herunter zum alten, durch Louis Armstrong berühmt gewordenen New-Orleans-Gassenhauer „When the Saints Go Marching In“, den er sehr einfallsreich, einerseits sehr Armstrong-nah und andererseits erfrischend eigenwillig interpretierte. Trotz seines Namens ist er auch als Trompeter und Drummer und - wie Landgren – als Sänger, Komponist und Arrangeur aktiv.Trombone Shorty
Foto: GK
Seine dynamische Musik wirkte sofort so animierend, dass er die Zuhörer – anders als Landgren – gar nicht erst zum Mittanzen und Armeschwenken auffordern musste, sondern die das in der diesmal unbestuhlten und ausverkauften Festhalle sogleich von sich aus taten und so quasi eine zum Festival-Jubiläum passende Geburtstagsparty-Stimmung herrschte. Dabei war er sich auch für keinen Gag zu schade. So demonstrierte er als ein auch brillanter Trompeter die schwierige Kunst der Zirkularatmung, mit der er ohne Pause zum Luftholen zwei Minuten ununterbrochen spielen konnte, oder bei einem Stück tauschten alle sieben Musiker ihre Instrumente aus, ohne dass die Musik merklich an Qualität verlor. Er konnte es sich sogar leisten, die groovigsten Stücke für die drei Zugaben aufzusparen, die das begeisterte Publikum herbeigeklatscht hatte.

 

So ergibt sich im Rückblick auf das eigentliche Jazzfestival die ironische Pointe, dass die so sehr um den „reinen Jazz“, aber auch sehr um den Fortbestand des Festivals besorgten Puristen den zahlenmäßigen Zuwachs an Festivalbesuchern mit Trombone Shorty - als dem eindeutigen, mit Abstand größten Publikumsmagneten - jemandem zu verdanken haben, dessen Konzert eigentlich gar nicht zum Festival, sondern zur Abonnement-Reihe „Kultur Extra“ gehörte, dessen Musik sehr wenig mit deren puristischer und elitärer Vorstellung vom echten Jazz zu tun hat und der noch gerade in einem Interview mit einem Jazzmagazin (Jazzthetik Sept./Okt. 2011) sagte, er habe in den letzten Jahren nicht viel Jazz gehört.

 

„Pelemele“
Foto: Ana Maria Vogel
Schließlich war da noch als Abschluss am Sonntag das „Junior´s Jazz Open“. Anders als auf dem eigentlichen Jazzfestival war beim Anfangskonzert der Kinderrockband „Pelemele“ der Festhallensaal bis in die letzte Stuhlreihe gefüllt. Mit mal poppig-jazziger, mal rockiger oder funkiger Musik und einer ausgiebigen Conférence mit vielen Spiel- und Mitmachanreizen wussten die Mitglieder dieser schon mehrmals preisgekrönten Band die vielen jungen Gäste auf überaus geschickte Weise zu animieren und zu aktivieren. Offenbar hatte dieses temperamentvolle Musik- und Aktionsspektakel viele Kinder allerdings in ihrem Fassungsvermögen so sehr beansprucht, dass die folgenden Programmpunkte sich mit geringerem Zuspruch„Jazz for Kids – Workshop“
Foto: Ana Maria Vogel
und weniger Publikum begnügen mussten. Den Abschluss bildete das Konzert des „Jazz for Kids – Workshop“, in dem die zwischen 9 und 15 Jahre alten Mitglieder der Kreismusikschule sich unter der Leitung der Festival-Organisatoren Ali Haurand und Tobias Kremer mutig und für ihr Alter erfolgreich sogar an Improvisationen über Jazzklassiker von z.B. John Coltrane und Herbie Hancock heranwagten. Vor allem auf Grund des am Anfang besonders deutlich gestiegenen Andrangs von Kindern und deren Eltern und Verwandten wird das Sonntagsprogramm für Kinder so immer mehr zu einem weiteren Argument für den Fortbestand des Jazzfestivals.

 

Während immer mehr Kommunen bestrebt sind, durch ein kulturelles Event ihren Aufmerksamkeitswert zu erhöhen oder ein eigenes Profil zu erwerben, wird paradoxerweise in der Viersener Stadtverwaltung und bei den kommunalen Sponsoren anscheinend immer noch die Möglichkeit erwogen, dem Jazzfestival den Geldhahn zuzudrehen bzw. es aufzugeben. Während es solche im weiteren regionalen Umfeld liegenden Gemeinden mit besonderen Events mal gerade in die lokale Presse oder im besten FallDer WDR immer mit der Kamera dabei
Foto: GK
als Kurzbericht in das regionale Programm des WDR-3-Fernsehens schaffen, wird das Viersener Jazzfestivals aber bereits seit Jahren regelmäßig und ausführlich in den Feuilletons überregionaler Tageszeitungen und in den einschlägigen deutschen Jazzmagazinen (Jazzpodium, Jazzthing und Jazzthetik) behandelt. Sicherlich auch durch den wirkungsvollen Einsatz von Ali Haurand, dem ja nicht von ungefähr gerade noch von der Stadt die Stadtplakette in Silber verliehen worden ist, gehört das Viersener Festival aber vor allem zu den wenigen Jazzfestivals (wie die in Stuttgart, Leverkusen u. Burghausen oder wie Jazz Baltica und die AVO Sessions aus Basel), deren Konzerte alljährlich und – auf Grund der zahlreichen Wiederholungen – darüber hinaus auch häufig im Fernsehen gesendet werden (insbesondere auf 3sat, WDR 3 und SWR 3). So gibt es kein Event in Viersen und seiner Umgebung, das auch nur annähernd so oft im Fernsehen zu sehen ist. Solch einen Prestige-Trumpf sollte man nicht so unbedacht aus der Hand geben.