Erasmus-Symphoniker von Grieg bis Michael Jackson

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Neben der Erfüllung der Funktion als musikalischer Verschönerungs- verein bei der alljährlichen offiziellen Abitur-Feier hat das Schulorchester des Viersener Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums jedes Jahr die Gelegenheit, bei einem abendlichen Konzert selbst im Mittelpunkt zu stehen

DIE  JUNGEN ERASMUS-SYMPHONIKER PRÄSENTIEREN EIN SINFONIEKONZERT VON EDVARD GRIEG BIS MICHAEL JACKSON

Neben der Erfüllung der Funktion als musikalischer Verschönerungsverein bei der alljährlichen offiziellen Abitur-Feier hat das Schulorchester des Viersener Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums jedes Jahr die Gelegenheit, bei einem abendlichen Konzert selbst im Mittelpunkt zu stehen. Das zum 22. Mal stattfindende  Konzert der „Erasmus-Symphoniker“ stand in diesem Jahr unter einem besonderen Vorzeichen. Nachdem der langjährige, verdienstvolle und dynamische Orchesterleiter Dr. Schneider in Pension gegangen war, schwang in diesem Konzert der 43-jährige Musiklehrer Marcel Otto zum ersten Mal den Dirigentenstab.

 

Dieser Generationenwechsel machte sich besonders bei der recht unkonventionellen und einfallsreichen  Programmgestaltung bemerkbar. Einerseits stand natürlich wieder klassische Musik im Vordergrund, diesmal mit einer vom Orchesterleiter sehr individuell ausgewählten Spannweite von einer melodienselig-heiteren, rokokohaft-verspielten Komposition des in Mannheim geborenen  Carl Stamitz aus der Vorklassik über die spätromantische Musik des Briten Gustav Holst bis zu den nordisch-stimmungsvollen Klängen des berühmten Norwegers Edvard Grieg, dessen Kompositionen den eindeutigen Schwerpunkt des Sinfoniekonzertes ausmachten. Andererseits jedoch wurde das Programm um sehr zeitgenössische Musikstücke erweitert. Da reichte das Spektrum von Super-Hits des Fusion-Jazz (Herbie Hancocks „Cantaloupe Island“) und des Pop (mit Michael Jacksons besonders schönem Song „Billie Jean“) über funktionale Filmmusik aus einem „Star Wars“-Film bis zur – als überraschende Zugabe präsentierten – Titelmelodie der witzig-sarkastischen US-Zeichentrick-Serie „The Simpsons“. Und der ganz der Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg gewidmete zweite Teil des Konzertes wurde geschickt durch gekonnt vorgetragene literarische Zwischentexte aufgelockert, die die wegen ihres atmosphärisch-gefühlvollen Wohlklangs so bekannten neun Einzelkompositionen in ihrem Sinn und Ausdruck noch verständlicher machten. Darüber hinaus intensivierte der Orchesterleiter das Verständnis für die jeweilige Musik durch sehr locker-launige Informationen und Erklärungen, die aber leider nicht überall im Saal zu verstehen waren.

 

In dieses Repertoire war deutlich spürbar eine Menge Mühe und viel Üben investiert worden. So hatte der Orchesterleiter für die beiden Hancock- und Jackson-Stücke eigene Arrangements zu schreiben und die Partituren anderer Kompositionen so umzuschreiben, dass sie mit der instrumentalen Besetzung des immerhin 37-köpfigen Orchesters zu bewältigen waren, das übrigens weit mehr als nur die volle Frauenquote erfüllt. Die Schüler ihrerseits zeigten allein schon bei der Korrektheit ihrer Einsätze, wie intensiv hier geübt worden war, und wenn ganz vereinzelt mal Unsicherheiten auftauchten, so ist das für das Live- Konzert eines Schülerorchesters bei einem so anspruchsvollen Programm geradezu unvermeidlich und ganz verständlich. Einige der Schüler hatten auch die Gelegenheit, solistisch zu glänzen, was ihnen auch fast stets mit erstaunlicher Sicherheit gelang.

 

Der Schreiber dieser Zeilen hat in den 50er-Jahren selbst in einem Schulorchester gespielt, und zwar – auf dem Huma-Gymnasium - noch unter der Leitung von Ernst Klusen, der danach Professor wurde und sich nicht nur in Viersen – zu Recht - hohes Ansehen erwarb. Deshalb meint er recht gut beurteilen zu können, dass die Schüler der „Erasmus-Symphoniker“ wirklich eine klasse Leistung und ihr neuer Orchesterleiter einen sehr imponierenden und verheißungsvollen Einstieg geboten haben. Und so gab es am Ende in der trotz des Fußball-Länderspiels gut besuchten Aula lang anhaltenden, wohlverdienten Applaus.