Wenn jemand stiften geht

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Wenn jemand stiften geht...
heißt das im Fall des Willicher Unternehmers Ulrich Florin das Gegenteil von weglaufen: Er hat zusätzlich zu seinem Unternehmertum weitere Verantwortung übernommen und zudem Gutes im Sinn.

Unternehmer Ulrich Florin
Foto: Nicki Karl
Wenn jemand stiften geht...
heißt das im Fall des Willicher Unternehmers Ulrich Florin das Gegenteil von weglaufen: Er hat zusätzlich zu seinem Unternehmertum weitere Verantwortung übernommen und zudem Gutes im Sinn. Erwachsen aus den Erfolgen seines Unternehmens FLORIN Gesellschaft für Lebensmitteltechnologie mbH hat er die gemeinnützige Ulrich Florin Stiftung gegründet. Diese fördert die Aus- und Weiterbildung junger Menschen im Bereich der Lebensmittelwissenschaften, speziell in der Lebensmitteltechnologie.

 

Ein Interview von Nicki Karl mit dem Lebensmitteltechnologen Ulrich Florin.

 

 

 

MAG-4 stellt Ihnen im Interview einen Menschen vor, dessen Beruf zur Berufung geworden ist.

 

MAG-4: Herr Florin, Sie haben Lebensmitteltechnologie studiert. Wie sind Sie auf dieses Fach gestoßen?

Das war eher Zufall. Es war mein Wunsch, Gartenbauarchitekt zu werden. Ich war im Obst- und Gemüsebau aber auch im Zierpflanzenbau unterwegs. Durch meinen Vater, der meinte ich habe eher ein technisches Verständnis, bin ich zur Lebensmitteltechnologie gekommen. Es war eine sehr spontane Entscheidung. Ich muss aber gestehen, dass ich sie in keinster Weise bereue (schmunzelt).

 

MAG-4: Können Sie unseren Lesern in wenigen Sätzen erklären, was Lebensmitteltechnologie bedeutet?

Lebensmitteltechnologie ist eine Wissenschaft, die sich mit der Herstellung und Weiterverarbeitung von Lebensmitteln beschäftigt. Sie hat sehr viel zu tun mit den Inhaltsstoffen der Produkte, mit der Untersuchung (Lebensmittelrecht) und mit der Herstellung. Man muss sehr viel von dem Lebensmittel selbst wissen. Der Lebensmitteltechnologe ist Techniker, Chemiker und Ökotrophologe in einem. Es wird bspw. versucht, die Lebensmittel nach wissenschaftlichen Erkenntnissen so haltbar zu machen, dass alle Inhaltsstoffe geschont und bewahrt bleiben, so dass wir uns gesund ernähren können. Alles, was heute verpackt und haltbar ist, hat lebensmitteltechnologische Prozesse durchlaufen. Diese sind heute schon so weit, dass man Feinkost ohne Konservierungsstoffe herstellen kann. Es gibt inzwischen einige tausend Lebensmitteltechnologen, so dass ich hoffe, dass der Begriff dem einen oder anderen Leser geläufig ist.

 

MAG-4: Nach vielen Jahren erfolgreichen Unternehmertums und Verbandstätigkeit haben Sie ihre Stiftung gegründet. Was bedeutet Ihnen diese Stiftung?

Es ist in meinem Unternehmen gut gelaufen, wir haben uns gut fortentwickeln können und viel investiert. Meine Kinder sind versorgt. Ich bin der Meinung, dass wenn es mal gut gelaufen ist, man auch in der Lage sein sollte, einen Teil zurückzugeben von dem was man in dem Berufsfeld erworben hatte. Gleichzeitig wollte ich aber auch mitbestimmen, was mit den Mitteln passiert. So kam die Idee der Stiftung. Sie ist für mich auch ein Stück Lebenswerk. Ein Unternehmen kann in den Konkurs gehen, eine Stiftung aber wird Fortbestand haben. Sie finanziert sich aus Zinsen, Spenden oder Sammelaktionen, wie.B. anläßlich eines Jubiläumsfest eines Unternehmensteils, bei dem wir 4.000 Euro sammeln konnten. Angesichts des derzeit schwierigen Anlagemarktes und der niedrigen Zinsen im risikolosen Bereich werde ich im nächsten Jahr noch eine Unternehmensbeteiligung einbringen, damit die Stiftung noch leistungsfähiger wird. Es ist mir wichtig, etwas für die Lebensmitteltechnologie und besonders für den Nachwuchs dort zu tun. Die Ausbildungsmittel sind nicht immer so vorhanden wie ich mir das wünsche, gleiches gilt für die Förderung junger Talente. Hier möchten wir zielgerichtet unterstützen. In Kürze nehmen wir bspw. zwei junge Leute mit zu einem der weltgrößten Kongresse der Lebensmitteltechnologie in die USA, als Highlight für ihre Ausbildung.

 

MAG-4: Haben Sie für ihre Aktivitäten Vorbilder?

Irgendwelche Vorbilder gibt es immer. Die Stiftung ist allerdings eher spontan entstanden. Natürlich beeindrucken mich große internationale Stifter und deren gespendete Summen. Allerdings sind manche Vermögen so groß, dass die Stifter die Abflüsse gar nicht merken. Das ist bei uns anders. Wir haben diese Summen nicht und arbeiten eher im Kleinen im Rahmen unserer Möglichkeiten. Als die erste Überweisung an die Stiftung floss, tat das schon etwas weh. Aber so sollte es auch sein, denn ich sehe ja auch, was ich damit bewegen kann.

 

MAG-4: Sehen Sie sich selbst denn als ein Vorbild für andere?

Ich hoffe, dass ich zusammen mit meinen Mitstreitern in der Stiftung zeigen kann, wie wichtig Lebensmitteltechnologie ist. Wir wollen das Bewusstsein schärfen für die Qualität der Ausbildung und den Berufsstand und wollen auch zeigen, dass Lebensmittel viel besser sind, als sie häufig in der Presse gemacht werden.

 

MAG-4: Ihre Stiftung ist auf Nachwuchskräfte ausgerichtet. Was raten Sie heute jungen Menschen in Bezug auf ihre Berufs- und Lebensgestaltung?

Schon als junger Mensch sollte man versuchen, sich für eine Ausbildung zu entscheiden und dann diesen Weg auch konsequent zu gehen. Junge Menschen sollten einen Beruf wählen, der ihnen Spaß macht und diesen dann aber auch ernsthaft angehen. Ein ganz wichtiger Aspekt ist die Begeisterung für eine Sache und die Motivation, etwas durchzuziehen. Hier brauchen die jungen Menschen aber Unterstützung. Wir haben viel ausgebildet und haben auch gegenwärtig viele junge Menschen im Unternehmen beschäftigt. Motivation zu fördern war dabei immer ein Leitmotiv. Leider wird diese Seite von Schulen, Beratungsstellen und Ausbildern häufig vernachlässigt. Wichtig ist auch, dass junge Menschen lernen, ihre Meinung durchzusetzen und das zu tun, für das sie sich begeistern können.

 

MAG-4: Was ist Ihnen im Leben wichtig?

In dieser Reihenfolge: Familie, Firma und daraus entstanden die Stiftung.

 

MAG-4: Haben Sie noch Zeit für Hobbies?

Ein bisschen Zeit bleibt schon noch, ich gehe ganz gern jagen. Lebensmitteltechnologie ist ja auch Hobby. Das Gärtnern ist natürlich geblieben, ich pflege meinen Garten noch selbst und teile mir die Zeit auch so ein, dass das möglich ist.

 

MAG-4: Was ist Ihr schönstes Erlebnis

Es gibt viele schöne Erlebnisse. Das schönste Erlebnis ist die Hochzeit mit meiner zweiten Frau gefolgt von dem Glück, in Krefeld ein über 100 Jahre altes Jugendstilhaus als eine Oase der Ruhe und wunderbare Heimat gefunden zu haben.

 

MAG-4: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, sich mit einer Persönlichkeit Ihrer Wahl zu treffen (muss nicht mehr leben), wen würden Sie sich aussuchen?

Sie werden lachen. Ich hätte zwar eine ganze Liste. Aber wenn es nur eine Möglichkeit gibt, würde ich mich gerne mit Helmut Kohl treffen. Ich schätze die Leistung der Wiedervereinigung sehr, persönlich, weil ich dadurch meine zweite Frau kennen gelernt habe (das wäre sonst nicht möglich gewesen), aber auch weil auseinander gerissene Familien zusammengeführt wurden und insbesondere weil ich der Meinung bin, dass wir in einem vereinigten Deutschland sehr viel mehr Möglichkeiten haben und der Osten eine große Bereicherung für uns alle ist. Dafür würde ich Herrn Kohl gerne die Hand drücken.

 

MAG-4: Ihr Leben hat Sie von der Millionenstadt Berlin über Düsseldorf in das eher ländliche Willich geführt. Vermissen Sie Berlin?

Ich bin eigentlich von Berlin nach Willich gekommen und habe in Düsseldorf gearbeitet. Dann habe ich meine Firma aufgebaut, zunächst in Kaarst. Mit der Gründung des Industriegebiets Münchheide ist dann auch die Firma nach Willich gezogen. Wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben. Nach Berlin habe ich regen Kontakt durch viele Geschäftspartner aber auch durch Schulfreunde, die ich gerne besuche. Ich versuche zudem, die Termine so zu legen, dass immer mal wieder ein halber Tag für Aktivitäten in der Stadt herausspringt. Aber ich kann schon sagen, dass ich zum Rheinländer mutiert bin.

 

MAG-4: Herr Florin sagen Sie uns zum Abschluss einen Satz zu unserer Region.

Eigentlich wären es viele Sätze. Kurz gefasst beeindruckt mich, dass Willich und auch das Niederrheingebiet wirtschaftlich zu einer beachtlichen Stärke gekommen ist und wie das gefördert worden ist. Dabei beeindruckt mich die Leistung einzelner und speziell in Willich die unseres Bürgermeisters.

 

MAG-4: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

Webseite der Stiftung: www.stiftung-florin.de

Webseite des Unternehmens: www.florin.de

 

Geschrieben von Nicki Karl, 30.08.2011