Ein Künstler "sieht" die Floriade

Unter Kunst versteht man ein Vermögen, eine Fertigkeit, etwas, das das Natürliche übersteigt und überbietet. In diesem Sinne spricht man von der Kunst des Kochens, des Schreibens, des Unterrichtens, des Malens etc.. Damit werden Kunst und Natur zu entgegengesetzten und unvereinbaren Prinzipien. Kunst wird der Natur gegenübergestellt. Entweder ist etwas Natur oder es ist hergestellt, gemacht, also Kunst. Eine Form des Wettstreits entsteht.

 

So war ich skeptisch, als ich eine Einladung zur Floriade 2012 erhalten habe. Was sollte mich dort als Künstler erwarten? Interessierten mich Blumen und Park? Gärten und Gartenbau? Finde ich einen Überbietungswettstreit?

Neugierig reihte ich mich in die lange Schlange der Besucher ein. Das Warten hielt sich in Grenzen und der Shuttledienst verrichtete seine Arbeit erstaunlich gut. Angenehm war auch, dass sich die Menge auf dem riesigen Gelände der Floriade verteilte.

Dann, und das fand ich ausgesprochen positiv, wurde nicht versucht, die Natur als etwas darzustellen, das heute noch unabhängig vom Menschen existiert, sondern als etwas Geschaffenes. Angenehm für die Besucher, die sich am Naturhaften und am Künstlichen erfreuen konnten.

Und interessant für mich, der ich diesen Weg einen Schritt weiter beschreiten konnte, indem ich Papierarbeiten anfertigte, die die Abbildungen der Natur aufgriff und von dem, was ursprünglich abgebildet werden sollte, befreite.

 

So sieht man auf der Floriade ein Feld gelber, auf dünnen Stäben segelnde Scheiben, die an ein Meer leuchtender Sonnenblumen erinnern. Ein schönes Beispiel dafür, dass die reine Natur – sobald es den Menschen gibt - nicht mehr zu haben ist und nur als Kunstwerk abbildbar bleibt.

 

 

 

Schön auch die kleinen asiatischen Bauten, die fast seriell, doch jeder ein Unikat, sich zu einem großen Werk vereinen. Assoziationen an Schneeflocken oder ein Meer von Klee drängen sich auf.

 


 

Einen anderen Weg beschreiten die Architekten, die den belgischen Pavillon entworfen haben: Sie versuchen nicht die Natur in der Kunst und die Kunst in der Natur widerzuspiegeln, sondern ziehen eine klare Trennungslinie zwischen ihnen. Drei- und Viereck herrschen in der Architektur vor. Das Dach, begehbare Natur, öffnet sich zu einem Eingang und verschlingt – ohne Übergang – die Besucher. Entweder man befindet sich in der Natur oder in der Kultur.

 

 

 Viktor Nono hat seine Eindrücke in Skizzen und Zeichnungen umgesetzt

 

 

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