„Bei mir ist alles anders geworden seit dem ich Theater spiele...!“

von 

Wie Theater den Alltag der Generation 55plus verändern kann - wir waren bei den Proben von ihrem neuen Stück „Früher war alles besser?“.

Bei mir ist alles anders geworden seit dem ich Theater spiele...!
- Doris Müller

Wie Theater den Alltag der Generation 55plus verändern kann

„Warmupspielen“ vor den Proben gehört dazuEs herrscht reges Treiben im Kunst&Kulturhaus Bachstraße in Viersen. Erika muss noch mal schnell auf die Toilette, Doris fängt ohne ihr „Piefchen“ (Zigarette) und ihre Tasse Kaffee gar nicht erst an, Angela und Angelika gehen noch mal eben den Text durch und Manfred sitzt mitten im kreativen Durcheinander und grinst still in sich hinein.

 „Eigentlich ist alles wie im richtigen Theater.“ denkt Dirk Windbergs Theaterpädagoge und Leiter der Seniorentheatergruppe „Die Zeitlosen“ laut nach. „Bevor die Probe richtig los geht, hat halt jeder so seine Rituale. Das finde ich ja so toll am Theaterspiel mit Menschen die schon was erlebt und etwas zu sagen haben.“.

 

Vor vier Jahren wollten Senioren „irgendetwas im Bereich Theater“ machen

Üben! Üben! Üben! Üben! Los ging es vor vier Jahren, als sich Senioren in Viersen im Rahmen von „Viersen 55+“ entschlossen, mehr Angebote und Aktionen für und von Senioren zu initiieren. Unterstützt von der Caritas Viersen trafen sich Menschen, die gerne Radwandern, Zeitungen machen, Computer lernen und eben Theater spielen wollten. „Der erste Kontakt zu den Senioren kam durch Michael Doermbach, dem Koordinator des Projektes „Viersen 55plus“ von der Caritas zustande. Er erzählte mir, dass sich eine Gruppe gefunden habe die gerne „irgendetwas im Bereich Theater“ machen wollten. Das war der richtige Zeitpunkt, da ich parallel schon länger daran dachte mit Senioren Theater spielen zu wollen.“ so Windbergs.

 

Voller neuer Erfahrungen
Die ersten Treffen waren voller neuer Erfahrungen für  die Teilnehmenden.

„Wir mussten so durch den Raum gehen und immer stehen bleiben oder im Kreis klatschen. Das war schon sehr komisch!“ erinnert sich Doris Müller die von Anfang an bei der Gruppe ist.

„Aber mit der Zeit haben wir immer mehr Theater gespielt. Wir haben Szenen zu bestimmten Themen erfunden und haben viel erzählt.“ berichtet Erika Kader von der weiteren Arbeit.

 

Autobiografisches Theater

„Irgendwann war klar, jetzt müssen wir auf die Bühne. Es soll ein Stück geben! Da ich aber gerne mit der Methode des autobiografischen Theaters arbeite, die davon ausgeht, dass jeder zu den verschiedensten Themen eine Meinung und etwas zu sagen hat, musste erstmal ein gemeinsames Thema für das Theaterstück gefunden werden.“ erinnert sich der Theaterpädagoge. Sehr schnell wurde klar, dass viele der Gruppenteilnehmerinnen aktiv nach einem Lebenspartner suchen bzw. jede einen Bekannten hatte, der sich in einer solchen Lebenslage befand. Viele kleine, lustige und zum Teil traurig bis tragische Geschichten konnte jeder Teilnehmer zu diesem Thema beisteuern. „Aus diesen Geschichten baute Dirk dann unser eigenes, erstes Theaterstück zusammen. Es hieß „Immer wieder sonntags“ und erzählt die Geschichte von Anna, die mit Hilfe ihrer Freundinnen nach einem Mann sucht.“ beschreibt Erika Goeres den Inhalt des Stückes. Fast zehn Mal wurde das Stück unter anderem auf zwei Theaterfestivals einem begeisterten Publikum präsentiert. „Es war so toll mit unseren eigenen Geschichten Menschen zum Lachen und Klatschen zu bringen!“ erinnert sich Angela Montagno - Esser.

 

Im kunst&kulturhaus Bachstraße bei den Proben von "Früher war alles besser?"Der Theaterpädagoge Dirk Windbergs„Früher war alles besser?“
Zurzeit arbeitet die Gruppe am zweiten Theaterstück zum Thema „Früher war alles besser?“. „Wir haben festgestellt, dass früher nicht alles besser sondern anders war. Die Themen in der Kindheit und Jugend sind zu jeder Zeit die gleichen: Familie, der erste Kuss, Träume, Schule, etc. Wir wollen mit dem Stück ein wenig zeigen, dass in jedem alten Menschen ein ganzes Leben steckt und er nicht nur aus Krankheiten, Schwächen, Demenz und allen anderen Altersleiden besteht.“ erzählt Manfred Podchull der zurzeit einzige männliche Spieler der Gruppe.

Geplant ist mit dem Stück an Schulen zu spielen und mit den Schülern über das Stück zu reden und Parallelen zur heutigen Zeit zu finden. „Wir wollen das Stück bis zum Sommer fertig haben. Leider hatten wir in letzter Zeit einige Ausfälle wegen Krankheit und mussten einiges umstellen. Aber auch das ist Theater mit Senioren.“ resümiert Dirk Windbergs.

 

Doris Müller und Manfred Podchull„Bei mir ist alles anders geworden seit dem ich Theater spiele! Ich bin viel selbstbewusster und offener geworden. Ich fühle mich richtig Klasse!“ sagt Doris Müller und stellt sich zu den anderen in den Kreis. Die Gruppe beginnt jedes Training mit „Warmupspielen“. Mittlerweile ist es ganz normal geworden sich einen „Klatscher“ oder eine Grimasse weiter zu reichen. „Solche Übungen macht unser Spiel nur besser!“ ist die einhellige Meinung der Gruppe. „Und Spaß macht es noch dazu!“ setzen sie noch nach.

 

Informationen:
Die Seniorentheatergruppe „Die Zeitlosen“ trifft sich immer donnerstags um 17 Uhr im kunst&kulturhaus Bachstraße auf der Bachstraße 60 in Viersen.
Im Moment stecken sie, wie beschrieben, in den Endproben zum neuen Stück. Nach den Sommerferien 2011 besteht wieder die Möglichkeit zur Gruppe dazu zu kommen.
Weitere Informationen finden sie unter www.kunstkulturhaus.de
oder telefonisch unter 02162 – 41 909