BLUT-Werte: Zur Geschichte einer existenziellen Flüssigkeit

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Freilichtmuseum eröffnet Saison 2011 mit Sonderausstellung

Wir baden mit Siegfried in Drachenblut, haben es im Blut, schwitzen Blut und Wasser, reizen jemanden bis aufs Blut und fürchten uns, bis uns das Blut in den Adern gefriert.

„Blut besitzt in hohem Maße kulturelle Bedeutung und wurde zu allen Zeiten und in verschiedenen historischen Zusammenhängen auf ganz unterschiedliche Weise betrachtet.“ Das sagt Anke Wielebski, die stellvertretende Leiterin des Niederrheinischen Freilichtmuseums des Kreises Viersen.

 

Anke Wielebski präsentiert ab 13. März 2011 bis 3.JuliAnke Wielebski zeigt ein Trepanations-Besteck Anke Wielebski und Dr. Heinz-Peter Miehlke
im Freilichtmuseum die Ausstellung
„BLUT-Werte – Zur Geschichte einer existenziellen Flüssigkeit“.

30 Jahre lang hat Dr. Heinz Peter Miehlke das Niederrheinische Freilichtmuseum Dorenburg in Grefrath geführt. Dr. Heinz Peter Miehlke geht ab Mai in den Ruhestand, wie er sagt beruhigt, denn er weiß alles in guten Händen. Die große Herausforderung hat seine „blutjunge“ Kollegin hervorragend gemeistert, wie er sagt. Ihm kann man nur zustimmen, mit viel Herzblut hat das Anke Wielebski, die stellvertretene Leiterin des Niederrheinischen Freilichtmuseums, schon jetzt mit dieser Ausstellung bewiesen.

Das Spannungsfeld dieser Ausstellung und die Bedeutung des Blutes in Mythen, Kult, Kultur, Medizin, Krieg und verschiedene Aspekte in der Religion, reicht über Blut als Nahrung bis hin zu dessen Tabu.

 

 

Das Blut der Maya Tücher - mit dem Blut der Maya Herrscher getränkt
Ein Exponat zeigt Tücher, wie sie die Maya benutzten, mit Blut getränkt.
Das Blut der Maya Könige sollte die Götter günstig stimmen. Die Herrscher der Maya gingen mit grausamer Selbstkasteiung vor, sie zogen sich durch die Zunge ein Band mit eingeflochtenen Spitzen. Der Herrscher weihte das herausrinnende Blut den Göttern.

Auf denTafeln steht es geschrieben...
Auf alten Tontäfelchen, in Keilschrift wird von Rezepten für Bluthochdruck, einem der ältesten bekannten Knoblauch-Rezepte, sowie von Gesetzestexten zur Abschaffung von Blutrache gesprochen. Die ältesten Keilschriften erzählen uns ein schönes Beispiel eines ultimativen Bundes, die Geschichte zweier Helden Gilgamesch und Enkidu, diese sumerische Erzählung enthält eine kaum zu überbietende Beschreibung einer Blutsbruderschaft.
In vielen Keilschriften erwähnt, der medizinische Einsatz des heilenden Ringelwurms dem Blutegel, der schon vor über 3500 Jahren bekannt war.

Blutorakel und sakrale Geräte
Ein Büffelhorn von der Elfenbeinküste, das für Blutorakel verwendet wurde oder wie uns Anke Wielebski aufklärt, zur Auswahl des eigentlichen Blutorakels bestimmt war. Sakrales Gerät, wie ein Abendmahlskelch des Kempener Goldschmieds Johann Jakob Heinen aus dem 18. Jahrhundert oder eine Blutreliquie und ein Schächtmesser aus dem Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten werden auch gezeigt.
Eine Wachstafel aus dem Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer, die die fünf Wundmale Christi darstellt und als die Vorlage für eines der Ausstellungsplakate BLUT-Werte diente.

Jüdisches Kochbuch, Schächtmesser und Fleischteller

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tatort Dorenburg
In den weiteren Räumen der Dorenburg ist unter anderem, der Tatorts eines Gewaltverbrechens zu sehen, dieser wurde mit Hilfe der Kriminalpolizei und der Rechtsmedizin nachgestellt. Der Kölner Rechtsmediziner Dr. Karl-Heinz Schiwy-Bochat und die Kriminalpolizei aus Viersen und Wuppertal rekonstruierten einen Tatort. Eine Leiche liegt auf dem Boden, überall ist Blut, insgesamt 150 Milliliter Blut. Um eine authentische Situation zu schaffen hatte sich der Rechtmediziner die erforderliche Menge an Blut selbst abgenommen. Wie er Anke Wielebski berichtet, hat Schweineblut nicht die Farbe von menschlichem Blut und der zweite Grund wird wohl gewesen sein, dass ihm die Arbeit mit dem eigenen Blut weitaus angenehmer gewesen sein mag, schließlich musste er überall Blutspritzer und blutige Abdrücke verteilen. Blut, als Objekt rationaler wissenschaftlicher Forschung, hier kann der Ablauf eines Verbrechens, anhand der Blutspuren rekonstruiert werden.

Im gleichen Raum der Ausstellung spielt das Thema Blut, im scheinbaren Gegensatz, auch im Märchen und im Vampirismus eine Rolle.

Saft des Lebens - das rote Lebenselixier

In der Ausstellung werden medizinische Geräte, wie die zum Aderlass oder auch ein Trepanations-Besteck aus dem Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt, mit dem der Arzt noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts den menschlichen Schädelknochen zur Behandlung von Blutgerinnseln aufbohrte ausgestellt.

 

Schröpfkugeln und Blutegel
Seit über 3500 Jahren ist der Einsatz des heilenden Ringelwurms in der Medizin bekannt. Seit 1500 v. Chr. wurde auf Tontafeln über die Behandlung der kranken Menschen mit Blutegeln berichtet. Die erste europäischer Aufzeichnung zum Thema Blutegeltherapie stammt von dem griechischen Arzt und Dichter Nikander von Colophon (2. Jahrhundert v. Chr.).

Anfang des 17. Jahrhunderts wurde nur noch der medizinische Blutegel, Hirudo medicinalis, zum Aderlass eingesetzt. Die medizinische Anwendung von Blutegeln war im 18. und 19. Jahrhundert so in Mode gekommen, dass er fast drohte auszusterben.

Als Clou – aber nicht unbedingt zum Anfassen – steht für die Gäste ein Glas mit lebendigen Blutegeln bereit…

Geburt, Leben und Tod

Vier bis sechs Liter Blut pulsieren durch den Körper eines erwachsenen Menschen, sieben bis acht Prozent seines Gesamtgewichts. Der rote Saft fließt in uns von den Zehenspitzen bis zu den Haarwurzeln. All unsere Blutgefäße zusammen sind über 100.000 Kilometer lang. Die roten Blutkörperchen werden im roten Knochenmark gebildet. Seine rote Farbe verdankt das Blut dem eisenhaltigen Hämoglobin, dem Farbstoff der roten Blutkörperchen.


Mystifiziert oder analytisch betrachtet - "Blut ist ein ganz besonderer Saft" das sagte schon Mephisto in Goethes Faust. Der besondere Saft hat zu allen Zeiten und in allen Kulturen eine große Bedeutung gehabt. Um das Blut rankten und ranken sich zahlreiche Mythen und Metaphern. Das Blutritual oder der Blutbund, dem heiligsten aller Bündnisformen, wie der Blutbund zwischen Abraham und Gott. Die Beschneidung ist ein „blutiges“ Ritual und eine wichtige Bündnisform. Auch Jesus spricht vom „Blut des Bundes“, es ist der höchste denkbare Bund, der möglich ist – ein ewiger göttlicher Blutbund. Blutsbrüderschaft, Blutsverwandtschaft. Für ein Vergehen „muss einer bluten“ oder wir haben es im Blut, schwitzen Blut und Wasser, reizen jemanden bis aufs Blut und fürchten uns, bis uns das Blut in den Adern gefriert…

 

 

„Die Ausstellung beginnt mit dem Aderlass und endet mit dem Vampirismus“, sagt Anke Wielebski.

 

Ausstellung: 13. März 2011 - 3. Juli 2011

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 Uhr bis 18 Uhr (im März bis 16 Uhr)

Eintritt: 3,-€, Kinder ab sechs Jahren 1,- €, Familien 6,-€

Kontakt: Telefon 02158 9173 - 0, Fax 9173 - 16

Navigationsadresse: Stadionstraße 161, 47929 Grefrath

 

 

Begleitprogram:

Termin: 03. April 2011 um 11 und 15 Uhr

Kräuterwanderung "Blutwurz und Co. - Kräutergeschichten mit Wirkung auf Körper und Geist". Erzählungen zu und über unsere Pflanzen und deren möglichen Auswirkung auf unseren Lebenssaft entführt Sie in die Welt der traditionellen Heilkräfte.

Informationen und Anmeldung bitte direkt beim Freilichtmuseum Dorenburg.