"Ein Fenster für Sophie Scholl" - Ein Solo-Abend

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Ein besonderer Abend im Rahmen der Schlossfestspiele Neersen - Im Mittelpunkt der Inszenierung „Ein Fenster für Sophie Scholl“ steht Gertrude Meyer, deutsch-jüdische Schwedin und letzte Lebensgefährtin Kurt Tucholsky’s, bis zu seinem Tod am 21. Dezember 1935.


Der Solo-Abend der Festspielintendantin Astrid Jacob ist ein eindringliches Bühnenstück, welches der Zuschauer als lebendig und stark, als sensibel und vielschichtig erlebt. Astrid Jacob nimmt den Zuschauer gleichsam mit auf ihre Reise nach Schweden und mit in die Vergangenheit der Protagonisten. Vorausgehend zu diesem Solo-Abend war ein Einpersonenstück über Gertrude Meyer, das von der Schauspielerin und Kabarettistin Astrid Jacob im Haus der Münchner Lach- und Schießgesellschaft 1987 uraufgeführt wurde. Als Astrid Jacob nach der Aufführung erfährt, das Gertrude Meyer noch lebt, sucht sie genau am 21.Dezember 1988, die über 80-Jährige in Schweden auf und lernt eine hochinteressante Persönlichkeit kennen, die das Bühnenstück von 1987 mit Astrid Jacob kritisch diskutiert und kommentiert. Das Ergebnis dieser persönlichen Gespräche im schwedischen Hindas, des Gedankenaustauschs der beiden Frauen und ihrer Beziehung zueinander und auch von Courage in ihrer vielfältigsten Weise, ist das in Neersen nun aufgeführte neue Stück „Ein Fenster für Sophie Scholl“.

 

Bei ihrem Besuch im schwedischen Hindas zeigt sich Gertrude Meyer ihr immer noch als eine sehr engagierte Frau, die mit ganzem Herzen in der Gegenwart lebt. Gertrude Meyer, die in den meisten Biografien über Kurt Tucholsky nur als „Frau M.“ erwähnt wird und sich selbst stets als „Freund“, nicht als Geliebte von Tucholsky Gertrude Meyer in jungen Jahrenbezeichnet sieht, wird durch Astrid Jacob für einige Momente auf der Bühne noch einmal lebendig. Es ist kein sentimentaler Rückblick der Gertrude Meyer auf die Zeit mit Tucholsky. Durch die Augen Gertrude Meyers blickt der Zuschauer vielmehr sehr reflektiert auf Vergangenes. Die immer noch stark engagierte Gertrude Meyer, deren Wunsch es gewesen ist, der Universität München ein Fenster zu stiften, in dem der letzte Traum der Sophie Scholl verwirklicht werden sollte, sie selbst hat das Fenster nie realisieren können. Mit ihrem Stück jedoch trägt Astrid Jacob genau dies Vermächtnis der Gertrude Meyer auf die Theaterbühne, getreu dem Motto: „den Mut mit dem Herzen zu denken und dem Verstand zu fühlen.“

 

Astrid Jacob war in diesem Ein-Frau-Stück de facto zwar alleine auf der Bühne, doch den Zuschauer hat sie dies schnell vergessen lassen, denn sie verschwand gleichsam hinter den beiden von ihr verkörperten Persönlichkeiten, Gertrude Meyer und Kurt Tucholsky und spielte sich selbst eher zurückhaltend und doch wie einen roten Faden, der durch dieses Stück leitet. Die anfangs leeren Stühle auf der Bühne erwachen im Laufe des Stückes zu Leben, so als säßen die dargestellten Personen tatsächlich auf ihnen.

Astrids Jacobs Solo-AbendDie Premiere des Stücks fand am 28. Juni im Ratssaal von Schloss Neersen statt. Die Fenster des Ratssaals mit der typischen Bleiverglasung fügten sich im Hintergrund in das Bühnenbild ein, als seien sie eigens dafür gemacht worden. Spätestens, wenn im Stück das „Fenster für Sophie Scholl“ zum ersten Mal erwähnt wird, schweifte der Blick zu diesen Fenstern und man mochte sich vorstellen, wie dieses Fenster wohl ausgesehen hätte, wenn es realisiert worden wäre.

 

Fazit: Ein ganz besonderer Abend, unbedingt empfehlenswert.

 

Weitere Termine:

Sonntag 24.07.2011 – 20:30 Uhr
*Dienstag 16.08. 2011 – 20:30 Uhr
*Zusatzvorstellung bei großer Nachfrage

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Hauptstr.6
47877 Willich
Tel.: 0 21 54 / 949-132
Fax: 0 21 54 / 949-116
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Öffnungszeiten: montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 17.30 Uhr

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