Villa V – Ein Baudenkmal beginnt zu leben

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Seit einem guten Jahr wird in Viersen in der Burgstraße 4 ein von außen unscheinbares Haus liebevoll von Grund auf renoviert. Das wäre noch keinen Artikel wert, handelte es sich bei diesem Haus nicht um die 1931 für den Unternehmer Walter Kaiser vom Bauhaus-Architekten Bernhard Pfau gebaute Villa – eben die Villa Pfau. Selbst jetzt könnte der kenntnisreiche Leser denken: Darüber wurde doch schon geschrieben und besichtigen konnte man sie am Tag des Denkmals auch! Stimmt. 

 

 

Aber es geht um mehr: Für die neue Eigentümerin, die Innenarchitektin Gerda-Marie Voß, ist die Rückführung der Villa in ihr ursprüngliches inneres Aussehen zwar wichtig, viel interessanter ist für sie in Anlehnung an Josef Beuys aber die Gestaltung dieses Prozesses und weniger das Endergebnis. Und so hat sie bereits im März 2012 die Türen der Umbau“ruine“ für Künstler sowie kunst- und kulturinteressierte Menschen geöffnet und ihr erstes „Kulturkabinett“ veranstaltet. Die seitdem monatlich stattfindende Veranstaltung soll nicht nur den kulturellen Austausch fördern sondern die Besucher auch einladen, unmittelbar den Umbau- und damit den Entwicklungsprozess der Villa mitzuerleben. Grund genug für MAG-4, mal genauer hinzuschauen. Und da es so viel Unterschiedliches zu finden gibt, werden wir die Entwicklung der Villa V durch das Jahr 2013 begleiten und in loser Folge über interessante Neuigkeiten und Aktivitäten berichten. Am Anfang steht die Frau, die das alles bewegt: Im ersten Teil stellen wir Gerda-Marie Voß vor.

 

 

MAG-4 begleitet die Villa V durch das Jahr 2013

Teil 1:  Eine Frau verwirklicht einen Traum – Gerda-Marie Voß und ihre Villa V

 

Gerda Marie Voß
Foto: Franz-Heinrich Busch sen.

 

Seit sie denken kann, ist Gerda-Marie Voß gleichzeitig an Neuem interessiert und von alten Werten, die heute noch Bestand haben, fasziniert. Sie ist stets auf der Suche nach Unbekanntem, möchte ergründen, gestalten, ausprobieren und lernen aber auch Altes bewahren. Obwohl familiär tief dem Rheinland verbunden, hat es Frau Voß schon früh ins Ausland nach Frankreich und Belgien gezogen. So sieht sie sich denn auch als rheinische Europäerin – kreativ, offen und kommunikativ. Ihr Herz schlägt für Architektur, Kunst und Design und sie wusste bereits als 6-Jährige, dass sie einmal Innenarchitektur studieren würde: „Schon als Kind hatte ich einen Sinn für harmonische Formen und Proportionen und immer viel Freude, Dinge zu arrangieren!“ Entsprechend hat sie dann auch ihren Beruf gestaltet, wobei die Kunst immer eine wichtige Rolle spielte. Gefragt, als was sie sich denn heute empfindet, fallen Begriffe wie Innenarchitektin, Kuratorin, Kunstsammlerin oder Kunstliebhaberin, um dann aber doch deutlich – in Bezug auf die Villa V – bei Künstlerin zu landen.

 

„Ich möchte Menschen überraschen“

Die Ersteigerung der Villa im Jahr 2011 sieht Frau Voß als Glücksfall. Sie war an einem Punkt im Leben angekommen, wo sie sich fragte, was es noch Neues gäbe. Ein weiteres Bild malen, eine Installation machen? Nein, sie wollte aufbrechen, etwas schaffen, ja, einen Prozess gestalten. Und sie wollte viele Menschen daran teilhaben lassen. „Ich möchte Menschen überraschen“, ist ihr Anliegen. Die Villa ist von außen so abweisend wie ein Tresor, wenn man aber eintritt, öffnet sich ein lichtdurchflutetes Juwel. Das setzt sie wie eine Künstlerin behutsam und mit viel Einsatz in den ursprünglichen Zustand zurück. Gleichzeitig will sie die Villa für viele Menschen nutzbar machen. „Es wäre schön, wenn ich mit den Veranstaltungen und den entstehenden Nutzungskonzepten Menschen zum Einlassen und Auseinandersetzen mit dieser Form der Architektur, der gezeigten Kunst und den jeweils dahinterstehenden Lebensauffassungen bewegen könnte“ so ihr Wunsch.

 

Kraftraubend und gleichzeitig bereichernd

Sie selbst ist voll in dieser Villa an und zur inneren Ruhe gekommen. Die Atmosphäre des Hauses und des herrlichen Gartens gibt der zarten Frau nicht nur das Gefühl eines Zuhauses, sondern insbesondere die Motivation und die Kraft, dieses umfangreiche, auf zwei Jahre ausgelegte Umbauprojekt, quasi allein zu stemmen. Im ersten, sehr aufreibenden Jahr ist sie immer wieder an den Rand ihrer Kräfte gekommen. Dieses insbesondere als sie neben dem aufwändigen Umbau weiter voll berufstätig ist, um das Ganze auch finanzieren zu können. Zwar hat sie immer wieder Hilfe von ihren Söhnen und von Freunden, diese haben sie aber nicht selten liebevoll und besorgt für verrückt erklärt. Es gab viele Diskussionen mit Handwerkern und auch Rückschläge aber noch mehr aufmunternde Erlebnisse. Bewegt erzählt die Innenarchitektin von einem Handwerker, der einige Reste von Gipskartonplatten gefunden hatte und dann begann, damit zu gestalten. Er, der sich noch niemals mit Kunst beschäftigt hatte, zeigte ihr dann stolz sein Kunst-Werk! Als schönstes Erlebnis beschreibt Gerda-Marie Voß jedoch den Moment als der wunderschöne Baum im Garten – für sich schon ein Kunstwerk - endlich im späten Frühjahr ausschlug. Sie hatte nicht gewusst, dass es sich um eine späte Sorte handelte und befürchtet, den Baum bei der Gartensanierung so beschädigt zu haben, dass er eingegangen sei. Die Erleichterung danach war immens!

 

 

Angebote der Villa V

Inzwischen sind die grundlegendsten Arbeiten abgeschlossen und die Villa V öffnet sich einer breiteren Nutzung:

 

Kunst- und Kultursponsoring

Ihrer Begeisterung Kunst für entsprechend wird Gerda-Marie Voß ihr Haus immer wieder für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen verschiedenster Art zur Verfügung stellen. Derzeit werden angeboten:

 

Kulturkabinett - Tagebuch einer Baustelle

Es findet jeweils am letzten Mittwoch eines Monats zu wechselnden Themen statt. Kunst- und Kulturinteressierte können sich per eMail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) anmelden. Der Eintritt ist frei, jedoch wird um eine freiwillige Spende zur Deckung der Unkosten gebeten.

 

Sonntagsmatinee des Vereins für Heimatpflege Viersen

Die Voiceartisting Isabeela Beumer ist mit ihrer Voice art and Poetry am 26. Mai um 11:00 Uhr zu Gast. Anmeldung über den Heimatverein (www.heimatverein-viersen.de). Eintritt: 15€

 

Ehrenamtliche Unterstützung gesucht - Für die teilweise recht aufwändige Durchführung der Sponsoring-Aktivitäten sucht Frau Voß interessierte Menschen als freiwillige Helfer.

 

Die Räume der Villa können zudem kommerziell genutzt werden für

  • Bed & Breakfast in Räumen, die im puristischen Bauhaus-Stil gestaltet wurden.
  • Seminare oder ähnliche Veranstaltungen in lichtdurchfluteten Räumen, auch mit Catering-Möglichkeiten im Speisesaal.

 

Anmeldung und Buchung:

Anmeldungen für kulturelle Aktivitäten oder Besichtigungen sowie Buchungen für Übernachtungen oder Veranstaltungen können per email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gerichtet werden.

 

 

 

 

 

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