Freigeist - "Wir sind so frei, wir machen das!"

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Es tut sich was in Viersen. Im Sommer wird vorraussichtlich das "Varieté Freigeist" eröffnen. Zwei Viersener die sich für Kultur & Unterhaltung stark machen.

 

Susanne Zischewski und Ralf Weber im InterviewBock auf Varieté - Bock auf Freigeist

Ein Interview mit Ralf Weber und Susanne Zischewski

Es tut sich was in der Viersener Kulturlandschaft. Susanne und Ralf Weber sind auf der Zielgrade und verwirklichen sich ihren Traum mit dem Varieté Freigeist. Hier tummeln sich künftig Künstler aller Couleur, und auch die Viersener sollen eine schöne Stätte zum quatschen und wohlfühlen bekommen. Im Interview plaudern die beiden Freigeister über Mut auch mal gegen den Strom zu schwimmen und den Alltäglichen Wahnsinn zwischen Bauschutt, Behördengängen und Familienleben.

 

Wieso Varieté Freigeist? Warum tut ihr Euch das an?

Ralf: „ Es war früher ein Varieté und soll jetzt wieder eines sein. Was die meisten nicht wissen, Viersen hatten früher ein anderes Flair. Großstadtflair!“

Susanne: „Ein gehobenes Flair! Man ist in der Südstadt wirklich weggegangen. Die Leute kamen ins Rintgen und an den Gereonsplatz. Es gab in der Nähe Theater, Kino, ein vornehmes Kaffeehaus, später Varieté. Wir haben auch bei den Recherchen festgestellt, dass dieses Haus eine gehobene Adresse gewesen ist. War ein gehobenes Weggehen.“

Ralf: „Der 2. Weltkrieg hat viele schöne Ecken zerstörtSusanne Zischewski und eine große Lücke geschlagen. Unser Varieté ist meines Erachtens eine absolute Bereicherung für Viersen. Weil das gibt es hier nicht.“

Susanne: „Wir glauben daran. Das ist ein Konzept, was uns zusagt. Durch die Recherchen haben wir hierfür den passenden Namen gefunden. Wir hatten immer schon die Idee im Kopf, aber es fehlte uns der Name. Als wir das Haus gesehen haben und erfahren haben, das da früher ein Varieté drin war, da hat sich für uns der Kreis geschlossen. Das war vielleicht Fügung

 

 

Was kann das Varieté in der Viersener Kulturlandschaft bewirken?

Susanne: „ Mir ist wichtig eine Kulturstätte zu haben die klein und fein ist und besonders. Der Zuschauer soll ganz nah an der Bühne und am Künstler sein. Das Kulturerlebnis soll der Zuschauer ganz intensiv spüren. Was auf der Bühne passiert wird sehr vielfältig sein von Comedy über Theater…“

Ralf: „… und Ausstellungen, Lesungen…“ Das ist ganz intensiv, was wir hier machen! Es gibt einiges aber nicht so viel!

Susanne: „Wichtiger Zusatz: Nicht nur Kulturgenuss sondern auch Kulinarisches. Wir wollen das verbinden. Das ist auch Varieté. Diese Kombination gibt es hier nicht.

Ralf: „Die Leute sind mit dem Wort Varieté überfordert, weil sie es nicht gewohnt sind.

Susanne: „ Viele Viersener fahren für Kultur eher woanders hin, z.B. Köln und Düsseldorf . Wir möchten, dass sie in der Stadt bleiben. Am besten kommen auch noch Leute von außen.

Warum soll es hier nicht etwas geben, was es in Berlin, Düsseldorf und anderen Großstätten auch gibt? Wir sind eine Kreisstadt! Wir sollten auch etwas bieten. Wir wollen aber zu bestehenden Kultureinrichtungen keine Konkurrenz sein, sondern eine Bereicherung.

Da kann man eine ganz tolle Verbindung machen.

 

Wer wird im Varieté auftreten?

Ralf WeberRalf: „Es kann alles sein. Von der Comedy angefangen bis zum Theater. Wir haben auch viele weiße Wände, die gestaltet werden können zum Beispiel von Künstlern mit ihren Bildern.“

Susanne: „Wir wollen eine Plattform bieten für junge Künstler, für Newcomer, die sich hier ausprobieren können und vielleicht auch erst den Weg nach oben finden wollen. Genauso würden wir auch gestandene Künstler und Comedians ansprechen, ihr Programm zu präsentieren. Ein Spagat zwischen neuen und bekannten Künstlern“

Ralf: Richtig! Alles was es an Künstlern gibt. Vor allen Dingen qualitativ gute Dinge.

Die Künstler sollen sich auch wohlfühlen! Es ist wichtig, dass die Künstler houviert werden. Wenn die Künstler sich wohlfühlen, dann ist auch das ganze Packet besser geschnürt.“

Susanne (lacht): Ralf ist der große Inszenierer! Das liebst du auch! Der Ralf macht`s andern gerne schön. Man muss es mit Herzblut machen. Das was man möchte, dafür muss man leben.“

Ralf: „Den Leuten zeigen, dass man Spaß daran hat.“

 

Am besten ist es, sich auf sich selbst zu verlassen

Wie war die Zeit vom Anfang bis jetzt kurz vor dem Start?

Ralf: „ Erst mal wächst man mit den Fehlern!“ Sagen wir mal so: Es ist nicht einfach! Man weiß nicht so recht, wo man anfangen soll. Ist Frage 1, die man sich stellt, vielleicht Frage 6 oder Frage 6, die man sich stellt, Nummer 1?“

Susanne: „Es ist ein großer Schritt. Man ist ein kleines Unternehmen! Es sind so viele Fragen an Behördliche Sachen oder rechtlichen Sachen, die man erst mal erarbeiten muss: Baugenehmigung, Konzession. Viele Behörden wissen auch nicht, was ist das jetzt…? Du weißt es eben auch nicht. Man lernt wirklich indem man fragt, Erfahrungen macht und auch Fehler macht, da hast du schon recht.“

Ralf: „ Die Zeit ist nicht einfach. Sagen wir mal so: Wenn es einem ja zu einfach gemacht wird, dann ist es auch langweilig. Du musst auch so komplizierte Hürden nehmen, damit man auch merkt, dass man es will. Zwischendurch war auch die Power mal raus.“

Susanne: „Und auch das Geld. Ganz ehrlich! Wir versuchen alles mit wenigen Mitteln zu realisieren. Das geht nur mit viel Enthusiasmus und viel eigener Manpower. Eigenleistung und Hilfe von Freunden. Ich bin froh, dass es lange dauert. Hätten wir vielleicht vor einem Jahr das Geld gehabt, wäre es nicht das geworden, was es jetzt ist. In dieser Zeit sind uns so viele neue Ideen gekommen. Man muss sich selber vertraut machen mit der Sache und ein Gefühl für die Location bekommen. Jetzt entsteht was mit den ersten Sachen, die wir reingestellt haben. Die ersten Tische, die ersten Stühle. Da weiß man erst, was man wirklich will.“

Ralf: „Wir fangen jetzt erst mal ohne Kohle an. Dat is nämlich besser als 250.000 Euro aufzunehmen und einen Laden zu zaubern, der etepete is und es kommt keiner. Es ist ein ganz schwieriges Ding so etwas hochzuziehen. Und es werden Leute kommen hundertprozentig! Aber es wird ein langer Weg sein. Man muss auch ein wenig zukunftsorientiert denken.

Susanne: „Die Leute müssen ja hier auch etwas finden, was nicht mit Kindergarten und Schule zu tun hat. Ich finde wir machen wirklich was für Viersen.“

Ralf: „Wir wollen ja nicht übertreiben! Wir wollen einen kleinen Teil besteuern, um die Kultur in Viersen ein bisschen Wertvoller zu gestalten.“

 

 

Wann soll das Varieté starten?

Ralf: „Voraussichtlich nach den Sommerferien im August. Wir wollen dann einen schönen Einführungstag machen, der schön gestaltet ist.“

Susanne: „Das Varieté kann auch für Vermietungen, Workshops und Familienfeiern genutzt werden. Die können schon starten, wenn alle Genehmigungen da sind.“

 

Wir sind so frei, wir machen das!

Seid ihr Freigeister?

Susanne: „Sind wir sonst wären wir nicht auf den Namen gekommen. Wir haben uns unterhalten, was wir cool finden, wie wir so sind. Dann ist der Name Freigeist gefallen und den fanden wir toll. Ein Freigeist ist Jemand, der eine eigene Meinung hat, der unabhängig ist, der auch mal eine Liebhaberei macht, der auch Kreativ ist. Der sich nicht einengen will. Varieté ist auch… wir wollen uns nicht festlegen. Deswegen der Name Freigeist. Wir sind Freigeister.“

Ralf: Du musst schon einen ziemlich freien Geist haben, wenn du so bescheuert bist und so was machst mit Kindern…“ (lacht)!

Susanne: „Das Wort frei ist auch ganz wichtig. In dieser Gesellschaft muss man auch mal freidenken. Wir wollen es vorleben. Die Leute, die herkommen, sollen den Spirit mitkriegen und sich auch als Freigeister fühlen.“

 

 

Zur Website: www.variete-freigeist.de