Auf den Spuren der Viersener Höfe

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Der Arbeitskreis „Familienkunde“ im Verein für Heimatpflege e.V. Viersen ist den Spuren der Viersener Höfe nachgegangen. Die neue Publikation befasst sich im Teil III auch mit der Zeit vor den offiziellen Kirchenbüchern, die 1604 enden.

Der Arbeitskreis „Familienkunde“ im Verein für Heimatpflege e.V. Viersen ist den Spuren der Viersener Höfe nachgegangen. Die neue Publikation befasst sich im Teil III auch mit der Zeit vor den offiziellen Kirchenbüchern, die 1604 enden. Bei den damaligen ersten Abschriften von F. W. Lohmann von 1913, wurden teilweise die alten Urkunden an den Sprachgebrauch angepasst und gekürzt. Bei der neuen Publikation wurden die alten Handschriften wortgetreu abgeschrieben und viele Detailangaben berücksichtigt. In der beiliegenden Karte von Jupp Meeger gezeichnet von 1600 wurden sehr arbeitsintensiv die Koordinaten für alle Höfe übertragen. Mit Hilfe von moderner Technik (GPS) und der Sisyphusarbeit diese Daten in eine alte Karte aus dem 16Jhd. zu übertragen haben Hans Maaßen, Friedhelm Redeker und Marcus Ewers eine gute Grundlage für die Suche nach den alten Höfen geschaffen. Auch die französischen Katasterbüchern von 1812 und den ersten Kartografin Anfang des 19. Jhd. nutzten sie auch als weiteres Arbeitsmaterial dafür. Die alten Schriften und Urkunden zu "übersetzen" setzt ebenso eine akribische Arbeit voraus. Die Schwierigkeit die Dokumente auch nur zu lesen, die in Sütterlin, der alten Amtsschrift oder noch älteren Schriften geschrieben worden sind, stellen schon eine Herausforderung dar, genauso wie die Kenntnis des damaligen Sprachgemisches. Diese aufwendige Publikation wäre nicht zustande gekommen und realisierbar gewesen ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer, wie Dr. Albert Pauly betont.

 

Wer wissen will - Wo - Wer - Wann - gewohnt hat und Wie die Haushalte aufgestellt waren, was an Steuern und wie das Erbschaftsrecht angewendet worden ist, der kann sich hier an der Fülle der Informationen im Teil IV dem „Das Viersener Leibgewinnregister“ bedienen und wird sehr interessante Geschichten und Begebenheiten finden. Solche Informationen, wie zum Beispiel welche Nebentätigkeit jemand hatte, was letztendlich zu der geschichtlichen Verbreitung der Hausweberei und Textilansiedlung in der Region führte. Mit der Information, dass durch die Höfeteilung im Erbrecht oft nur ein nicht auszureichender Teil an nutzbarer Ackerfläche blieb, 5 Morgen Land musste man haben um zu überleben, man damals gezwungen war eine Nebentätigkeit auszuführen. Diese notwendigen Nebentätigkeiten, die durch die große Nachfrage der Franzosen nach Textilien, letztendlich zu der bekannten Textilregion am Niederrhein führte.

Da die Gehöfte oftmals von Vater auf Sohn übergingen, kann man unter günstigen Umständen bis ins 14. Jahrhundert zurückgelangen und somit eine Ahnenreihe rekonstruieren, die weiter zurückreicht als die mancher Adelsfamilie.
Auszug aus dem Vorwort von Marcus Ewers


Die Steuern, die am 30. November dem „St. Andreas Tag“ zu leisten waren und bei Verzug eine Verdopplung der Zahlung nach Wochen oder sogar Tagen nach sich zog, lässt einen vielleicht etwas entspannter auf die nächste Steuererklärung blicken. Damals merkten sich die Menschen die wichtigen Termine besser, da sie auf die Kirchenfeste ausgerichtet waren. Geschichte kann lebendig werden, wenn man sie in Relations zum Hier und Jetzt setzt, vielleicht einen Bezug herstellt und dann besser versteht woher vieles kommt und vielleicht auch gerade so herausfindet, wo es auch nicht mehr hingehen soll.

 

Anmerkung:
An dem Tag der Pressevorstellung, habe ich eine Familie auf einem solchen alten Hof von 1617 besucht, die Publikation war sofort in allen Händen und das Interesse war Generationsübergreifend. Wer ist nicht neugierig wer, wann und wie am gleichen Ort gewohnt und gelebt hat. Menschen und auch Orte haben ihre Geschichte…

 

Hinweis:
Tag der offenen Tür im Stadtarchiv

Am Sonntag, 6. November, ist das Stadtarchiv von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
An diesem Tag kann sich jeder dort informieren. Der Stadtarchivar Marcus Ewers bietet an, soweit es möglich ist, zu versuchen etwaige Fragen direkt an dem Tag zu beantworten oder zu recherchieren.
Vielleicht können Sie aber genauso Antworten geben! Zu den Schätzen eines Stadtarchives gehören auch unteranderem Fotos und Dokumente zu denen Sie vielleicht mehr Informationen haben.

Die neuste Publikation über die Viersener Höfe ist dort natürlich am Sonntag schon erhältlich.

Stadtarchiv
Am Alten Gymnasium 4.

Ansprechpartner Stadtarchivar Marcus Ewers, Ruf: 02162 101-471.

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