Montag, 14 Januar 2013 09:34

Breakdance in St. Tönis

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Es gehört viel Körperbeherrschung dazu. Und Muskelspannung. Nebst Disziplin. Rauchen und Trinken? Damit kann man diese kreative Form der Bewegung – oder eher Sportes – nicht leisten: Breakdance – oder B-Boying, wie es eigentlich heißt.

Vor vielen Jahren haben sich eine Gruppe Jugendlicher im städtischen Jugendfreizeitzentrum gefunden. Ihre Leidenschaft: Die tiefen Bässe und Loop-Rhythmen des HipHop. Weil Platz und Raum in der städtischen Einrichtung für sie vorhanden war, fingen sie an, die Energie dieser speziellen Musik für sich in Bewegung – bis hin zu akrobatischen Einlagen - umzusetzen. Eine definitiv schweißtreibende Angelegenheit. Heute werden sie für teuer Geld für Stadtfeste und andere Anlässe gebucht. Einer hat sogar jetzt sein eigenes Studio eröffnet.

Toby, heute 28 Jahre alt, hat mit 16 Jahren angefangen. „Es gibt vier Grundformen: Toprocks, Footworks, Freezes und Power Moves“. Letztes sind Drehungen auf dem Kopf. Seine Spezialität sind unter anderem Freezes. Hierbei friert man seine Bewegung – aus Sicht der Schwerkraft in einer schier unmöglichen - Position ein: Hände und Knie zunächst auf dem Boden, dann die Beine horizontal in die Luft strecken und den ganzen Körper schließlich seitwärts drehen. „Man muss am Anfang ein bisschen Biss und Geduld haben“, lächelt Toby freundlich und bescheiden - ganz gentlemen-like. Denn dem Nichttrainierten scheint ein Minimum an hundert Liegestützen pro Tag für so ein Kunststück unerlässlich. Was hinkommt: Bis Sehnen, Gelenke und Muskeln soweit aufgebaut sind, dass sie das Gewicht des Körpers in diesen Positionen halten können, kann es sogar mehr als ein Jahr dauern. Toby selbst hat immer nach der Schule täglich von 15 bis 22 Uhr im JFZ an Gelderner Straße trainiert.

„Die Musik animiert einen, über die eigenen Grenzen hinaus zu gehen“, erläutert Cenk (28), der ebenfalls viel Freude an den Freezes hat. Wenn man erst einmal die Foundations - also Grundkenntnisse habe und die Grundschritte beherrsche – könne man mit Break Dance seinen Charakter ausdrücken. Es sei wie eine Art Sprache. Und dieser Tanz trainiere nicht nur den Körper, sondern auch den Geist, erklärt er.

„Entstanden ist die B-Boying in den USA. Anstatt zu kämpfen, haben die Crews - jugendliche Gruppen – sich mit diesem Wettkampf gemessen“, erläutert Abdul (30). Er beherrscht die so genannten „Poppings“ und „Floats“ besonders gut. Popping beinhaltet unter anderem roboterhafte, ruckartige Bewegungen. Bei Floats muss man unwillkürlich an den Moonwalk von Michael Jackson denken. „Man kann Stress abbauen, die Außenwelt vergessen, und wir können wir selbst sein“, erläutert Chan (31) seine Faszination für B-Boying. „Es ist eine perfekte Art abzuschalten“, ergänzt Mo, mit 21 Jahren der Jüngste in der Runde. Wie die anderen hat er sich seine Fertigkeiten selbst beigebracht. Inzwischen hat er eine eigene Tanzschule in Krefeld eröffnet.

Nach wie vor trainieren sie im JFZ. Wer sich ihnen anschließen möchte, ist herzlich willkommen: in der Regel dienstags ab 17 Uhr, manchmal auch freitags. Am besten einfach vorher bei der Leitung des städtischen Jugendfreizeitzentrums, Petra Schippers, unter 02151/99 48 55 anrufen.

Letzte Änderung am Montag, 14 Januar 2013 09:35