Donnerstag, 29 November 2012 10:03

Loi Krathong - Das Fest der Lichter

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Wer sich schon einmal mit Thailand beschäftigt hat, kennt es: Loi Krathong.

Zugegebener Maßen vielleicht nicht unter dem Namen; ich kannte es auch nur unter "Das Lichterfest in Chiang Mai", bei dem orange leuchtende Papierlaternen – genannt Khom Loi – wie magisch in einem Fluss aus Feuer in den sternenklaren Nachthimmel schweben und bald in dessen Weiten verschwinden.

Loi Krathong in Chiang Mai

Meine Vorstellung – die durch Google-Bilder gefördert wurde – musste ich allerdings ein wenig revidieren. Erstens findet das Fest nicht nur in Chiang Mai statt, sondern landesweit in ganz Thailand, und zweitens sind die Laternen eigentlich nur der weniger verbreitete Teil; oftmals werden nur schwimmende "Boote" – genannt Krathong – in verschiedensten Größen aus gefalteten Palmenblättern, Blumen, Obst und Gemüse, mit einer Kerze, Räucherstäbchen und einem Wunsch (manchmal auch Haaren und Fingernägeln) versehen, ins Wasser gesetzt. "Nur" ist in dem Fall allerdings nicht der passende Ausdruck, denn aus den Palmenblättern werden ganz erstaunliche Kunstwerke gefaltet, Schlangen, Schwäne, Blumen, das Obst und das Gemüse werden zu Blüten ähnlichen Gebilden geschnitzt und auch sonst sind die Krathong (teilweise mit einer Höhe von 1,50 Meter und mehr) sehr filigran und beeindruckend gearbeitet.

Vor dem Krathong unserer Schule. V.l.n.r.: Mae Noi, Sophia, Luk Pla (eine Chinesisch-Lehrerin) und meine Wenigkeit).

 

Was ist Loi Krathong überhaupt? Es ist ein buddhistisches Fest, das immer am Tage des zwöften Vollmonds (also der Mitte des zwölften Monats des thailändischen Mondkalenders) gefeiert wird, und fällt damit normalerweise in den November. Übersetzt bedeutet es soviel wie schwimmendes/schwebendes Floß. Das Wässern der Krathong oder das Fliegenlassen der Khom Loi hat die traditionelle Bedeutung sich von allem Schlechten, Negativen und Verunreinigten, das die Seele belastet, zu befreien. Ursprünglich kommt es vermutlich aus dem Hinduismus und sollte die Gottheit des Ganges ehren, die für die Fruchtbarkeit der Erde sorgt und als lebensspendend gilt.

Genug der Hintergrundinformationen, ich bin ja hier, um euch zu erzählen, wie ich das Ganze erleben durfte. Nachdem ich einigermaßen enttäuscht war, wegen der Arbeit (Loi Krathong ist nämlich kein anerkannter, staatlicher Feiertag) nicht nach Chiang Mai oder Ayutthaya – der früheren Hauptstadt des siamesischen Königreichs – reisen zu können, nahm ich die Trotzhaltung ein "Ja und? Mein Dorf ist sowieso viel cooler!" und im Endeffekt bin ich sehr froh, hier geblieben zu sein. Am Nachmittag des 28. Novembers begannen nämlich schon die Vorbereitungen zu dem abendlichen Fest, was ich erst erfuhr, als ich zum Unterricht wollte und weder andere Lehrer noch Schüler aufzufinden waren. Ich ärgerte mich also kurz über die irrläufigen Kommunikationswege, ging auf den Schulhof und schaute den Schülern beim Bauen der Krathong zu – unwillkürlich musste ich an das alljährliche Laternenbasteln zu Sankt Martin denken, das ja zu einer ähnlichen Zeit stattfindet und dessen sich viele Jugendliche entweder mit Freude oder mit der Dankbarkeit erinnern, das nie wieder tun zu müssen; ich gehöre zu Letzteren. Nichts desto trotz war ich von den Fertigkeiten der Schüler jeglicher Altersstufen beeindruckt, schaute freudig zu und musste natürlich wieder für Fotos zur Verfügung stehen.

Einen Blick gen Himmel werfend dachte ich mir "Das geht niemals gut..", denn es türmten sich bereits – sehr untypisch für diese Jahreszeit – tief dunkelgraue Wolken und es wehte ein kräftiger Wind. Davon ließ sich aber niemand abhalten, auf dem großen Schulhof Platz zu nehmen und die Krathong in ihrer Vollendung zu betrachten; es findet nämlich alljährlich, wie könnte man es auch anders erwarten, ein Wettbewerb statt, bei dem das beste Floß gekürt wird.

Nun wurden allerdings, als die ersten Regentropfen fielen, in relativ großer Hektik die ersten Krathong von den ranghöchsten Lehrern und dem Schuldirektor genommen, meiner Mitfreiwilligen und mir wurden auch promt zwei in die Hände gedrückt und schon begann der Marsch zum schuleigenen Teich, auf dem dann die Flöße schwimmen sollten. Das ganze lief relativ unspektakulär ab und kurz darauf fing auch ein durchaus kräftiger Regen an. Pho Pilom erklärte mir "Normalerweise regnet es in dieser Jahreszeit nicht, aber das Wetter ändert sich; das kommt von der Klimaerwärmung." - wie recht er doch hat. Für den Abend lud er uns beide, Sophia und mich, ein, mit ihm zum abendlichen Dorffest zu gehen, bei dem zum einen die kleinen Boote gewässert werden und zum anderen die sogenannte Miss Loi Krathong gewählt werden sollte; man findet hier eben immer einen Anlass zur competition.

Der Abend in Chakkarat verlief dann deutlich ruhiger, als ich erwartet hatte:

Schön sah es in Chakkarat allerdings schon aus.

 

Krathong im Wasser.

Die Flöße wurden zu Wasser gelassen, es gab ein paar Essensstände und auch die Miss-Wahl lief nebenher. Die eigentliche traditionelle Atmosphäre, die ich mir erhofft hatte, blieb allerdings aus und zudem regnete es, weshalb viele Kerzen der Krathong erloschen und der eigentlich Zauber ausblieb.

Bevor ihr mich falsch versteht: Einige schöne Momente gab es dann doch auch in Chakkarat.

Der Abend hätte mich ein wenig enttäuscht, wäre nicht die thailändische Spontanität dazwischen gekommen; Pho Pilom sagte, wir könnten auch noch nach Tha Chang (einem fünfzehn Kilometer entfernten Dorf) fahren, da das Fest dort etwas größer und anders sei. Gesagt, getan, wir fuhren also hin und kamen genau zur richtigen Zeit an: Es hatte aufgehört zu regnen und sämtliche Autoinsassen wurden von einem lauten Knall, dem sprühende Funken im Himmel folgten, aufgeschreckt – Feuerwerk! Bei einem weiteren Blick offenbarte sich mir etwas Erfreuendes, denn ich sah einige wenige Khom Loi vorm schwarzen Himmel schweben. Schnell machten wir uns auf den Weg zum Geschehen, meine persönliche Fotografin – den Lesern bereits als "Sophia" bekannt; an dieser Stelle ein großes Dankeschön, da ich definitiv zu faul zum Fotografieren bin, bzw. nur eine für viele Motive sehr unzureichende Kamera mit mir führe – machte viele Bilder der immer mehr werdenden Laternen und dann kamen wir auch an dem Ort an, von wo aus sie starteten. Wir wollten natürlich sofort welche kaufen, aber uns wurde gesagt, es gebe keine mehr. Schade, da hatte man sich schon gefreut.. und plötzlich erfuhren wir, dass wildfremde Menschen für uns eine kaputte Laterne reparierten! Ich liebe diese Herzlichkeit! Nun konnten wir also doch unsere Laterne aufsteigen lassen, indem wir einen Wachsring inmitten der Khom Loi anzündeten, diese sich mit heißer Luft füllen ließen, um sie dann in den weiten Himmel steigen zu lassen; natürlich verfing sie sich in einem Baum, das war ja abzusehen.

Hier sieht man das Innere einer Khom Loi.

 

Hier lassen wir unsere Laterne fliegen.

 

....

Aber auch dagegen wusste uns ein netter Mann zu helfen, indem er die Laterne mit einem langen Stab aus dem Baum löste und ihr den Stoß in die richtige Richtung versetzte – mal schauen, was aus meinem Wunsch, mit dem man solch eine Laterne auf ihren Weg schickt, wird.

Und da sah ich also doch, auch ohne Chiang Mai, den leuchtenden Fluss am Himmel, vom Wind getrieben, in der Ferne verschwinden und war glücklich, hier zu sein.