Donnerstag, 22 November 2012 02:19

The living legend of Phimai

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Es ist Abend, es herrscht Dunkelheit; überall um uns herum Massen von Menschen, die gebannt horchen und versuchen, im Schatten etwas mit den Augen zu erhaschen. Plötzlich dröhnt ein Grollen zu uns hinüber und Lichter entstehen auf einer halb verfallenen Tempelruine circa hundertfünfzig Meter von uns entfernt. Sie stellen thailändische Zahlen dar und als die Null an der Reihe ist, fängt der Tempel an, sich wie von Zauberhand aufzubauen, bis er in seiner ehemaligen Pracht vor uns steht.

 

Tapfere siamesische Krieger kämpfen mit einem Drachen!

 

Musik voll epischer Gewalt, eine Mischung europäischer und asiatischer Klänge, begleitet das Schauspiel. Nun bricht der Tempel wieder in sich zusammen und wird in einer anderen Form abermals errichtet, nur um vom Krieg und Feuer verschlungen zu werden. So vollzieht sich die Geschichte des Khmertempels zum zweiten Mal: Wiederaufbau folgt auf Zerstörung, Ruinen folgen auf in Gold strahlende Bauten. Es tauchen zwei flammende Lichter im Himmel auf, umkreisen langsam den Tempel, bis sie am Boden angelangt sind und plötzlich zwei Türen zur Linken und zur Rechten des Gebäudes erhellen. Die Antike scheint wieder Einzug zu halten, denn Tänzer kommen in Gold und Edelsteinen auf den Tempelplatz und wirken wie aus einer längst vergangen Zeit entlaufen.

Traditionelle Tänze in sagenhaften Kostümen

Die Scheinwerfer gehen an, der Platz ist hell erleuchtet, kein Schimmer mehr von der Vergangenheit. Leute quatschen, essen, gehen zu Verkaufsständen mit traditioneller Kleidung, verschiedensten Speisen und natürlich Ramsch, den keiner braucht. Klar, wir sind auf einem Fest in Phimai, einer circa dreißig Kilometer entfernten Stadt. Hier findet nämlich alljährlich eine große Attraktion statt: Eine traditionelle Darstellung von Theater, Tanz und Musik, begleitet von Feuerwerk und dreidimensionalen Lichteffekten. Wieso? Sie steht im Zeichen der Geschichte Phimais, geprägt durch einen antiken, gut erhaltenen Khmer-Tempel von beachtlicher Größe. 

Das, was ich soeben beschrieb, war die Eröffnungszeremonie des Festes. Danach ging es dann in den inneren Bereich des Tempelgeländes, wo die eigentliche Vorstellung stattfand. Sie bestand aus thailändischen Tänzen, Musik, Feuerwerk, Licht-Shows und Kampfdarstellungen. Ein wenig befremdlich war das Ganze schon, da ich das traditionelle Noten-System nicht gewohnt bin, aber dafür ebenso beeindruckend: Die Tänzer/-innen drehten sich und sprangen in Ekstase, die Muay-Thai-Kämpfer bildeten Kreise, vollzogen Rituale, indem sie hüpften, stampften und riefen.

Die Krieger der antiken Welt Südostasiens

Das Feuerwerk sowie die Lichteffekte waren atemberaubend schön. Ich konnte kaum glauben, wie sich der Tempel vor meinen Augen von selbst aufbaute und das alles sollte nur Illusion und Licht sein; fantastisch! 

Tänzerinnen in Rauch und Feuer

Genauso schön, wie das Theater war, so schnell und plötzlich endete es aber auch. Es gab kaum Applaus, die Menschen wirkten lediglich zufrieden, als hätten die Schauspieler ihre Arbeit zufriedenstellend und gemäß den Vorgaben verrichtet. Aber das habe ich hier in andern Zusammenhängen schon öfters mitbekommen. Viele meiner Freunde und Bekannten verabschieden sich eigentlich nie, weder am Telephon noch nach einem persönlichen Treffen. Zuerst fragte ich mich, ob ich etwas falsch gemacht, ihnen vor den Kopf gestoßen hätte, aber nichts dergleichen. Irgendwie scheint dieses Verhalten Normalität zu sein, weswegen ich mich daran gewöhnt habe. Nur die Schauspieler taten mir schon leid, ich fände es irgendwie sehr ernüchternd.

Abschließend muss ich aber wärmstens jedem, der im November in Thailand ist, empfehlen, einen Abstecher nach Phimai zu machen, wenn dieses Festival stattfindet, es ist wirklich beeindruckend! 

P.S.: Dort gibt es auch viele schöne, handgefertigte Dinge wie Schmuck und Kleidung zu vernünftigen Preisen.

P.P.S.: Das Essen ist auch super, insbesondere das frische Kokoseis und die Esskastanien sind eine Probe wert!

 

Letzte Änderung am Donnerstag, 22 November 2012 08:42