Sonntag, 23 September 2012 02:00

Back To School Again

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Diesen Freitag vor einer Woche war es nun soweit. Nach den zwei Tagen in Bangkok, die sich weniger spannend gestalteten, als ich erwartet hatte, ging es für Sophia (meine Mitbewohnerin) und mich auf die ca. vierstündige Busreise nach Chakkarat, wo unsere Lehrerkollegen bereits auf uns warteten.

Wir wurden hier, wie es anzunehmen war, freudig empfangen. Alle Lehrer und Schüler betrachteten uns; Neugierde, Spannung und Freude sprach aus ihren Augen. Ich schätze, dass meine ähnlich aussahen, nur hatte ich, wie immer, wenn ich in eine neue Umgebung komme, den Drang, alle Eindrücke genaustens in mich einfließen zu lassen. Allerdings wurde uns bis zum Abend doch noch Ruhe gegönnt und so hatten wir ein wenig Zeit, unser Haus begutachten zu können, Betten zu beziehen und am wichtigsten: Endlich auf Toilette zu gehen!

Der Abend gestaltete sich wirklich angenehm. Mit vier der Lehrer gingen wir essen und bekamen die leckersten Sachen, die ich mir hier bisher zu Gemüte führen durfte. "Aroi Mái?" "Aroi Mak Mak!" - ("Schmeckts?" "Es schmeckt sehr sehr gut!").

Das Wochenende ging dann allerdings sehr ruhig zu. Das Haus musste geputzt und aufgeräumt werden, da es sehr staubig und ein bisschen unaufgeräumt war. Aber die Zeit wurde dann am Sonntag für einen Trip in die 40km entfernte Provinzhauptstadt Korat genutzt, in der es Einkaufszentren, ein Schwimmbad und einen riesigen Nachtmarkt gibt. Nicht ganz meine Welt, aber es war ganz nett.

Umso schöner und freudiger begann dann unser erster Arbeitstag: Sämtliche Schüler – ca. 2500 an der Zahl – und Lehrer fanden sich auf dem großen Schulhof zusammen, um uns zu begrüßen, wobei es an lieben Worten (auch mit einigen Versuchen in deutscher Sprache), vielen Rosen und Fotos nicht fehlte.

Eine bunte und sehr liebe Begrüßung

 

Die Erste Woche hier gestaltete sich sehr ambivalent. Auf der einen Seite werden wir für alle möglichen Aktivitäten von Lehrern eingeladen und ich erfreue mich sehr daran.

Mit Phitai auf dem Nachtmarkt in Korat.

Auf der anderen Seite habe ich während der Zeit in der Schule (von 7:30Uhr bis 16:30Uhr) kaum etwas zu tun, außer Thai zu lernen. Das frustriert auf die Dauer, da ich mit dem Wunsch hergekommen bin, soviel wie möglich zu leisten. Nunja, ich denke allerdings, dass sich die Situation nach den in einer Woche anstehenden Ferien bessern wird. Schließlich finden momentan die Abschlussprüfungen statt und was soll es da großartig zu unterrichten geben? Immerhin konnte ich schon einen kleinen Perspektivwechsel vollziehen, indem ich die Schüler bei den Abschlussprüfungen beaufsichtigte und nach Schummlern Ausschau hielt.

Das habe ich zum Glück schon hinter mir, aber diese Perspektive kannte ich noch nicht.

Es ist witzig, die andere Seite erleben zu dürfen. Allerdings bin ich eher ein Lehrer, der, wenn er jemanden erwischt, diesen mit einer hochgezogenen Augenbraue anschaut und ein wenig grinsen muss, was aber schon reicht, damit die Schüler ihren Betrugsversuch aufgeben.

Dieses Wochenende haben wir dann auch unsere Nachbarn und drei unserer Lehrer zum Essen bei uns eingeladen. Natürlich kamen alle mindestens 20 Minuten zu spät, aber es wurde viel gelacht und gequatscht, auch wenn ich selber wenig verstand. Gewöhnungsbedürftig war allerdings, dass unsere Gäste das Geschirr spülten und der Abend deutlich schneller vorbei war, als gedacht. Aber die Thailänder hier gehen recht früh ins Bett und stehen dafür umso früher auch wieder auf.

Insgesamt wirken die Menschen hier aber sehr entspannt auf mich. Man sitzt bei solchen Gelegenheiten normalerweise auf dem Boden und es kommt keinerlei Anspannung auf (ich habe mich auch kein einziges Mal während des Abends gefragt, ob das, was wir tun oder getan haben, angemessen sei oder nicht, was in Deutschland normalerweise meine Angewohnheit ist). Mir gefällt das sehr und ich hoffe, in ca. vier Monaten so viel Thai zu können, dass ich mich mit den Leuten auch mehr unterhalten kann.

Jetzt bin ich allerdings auf die nächste Woche gespannt und frage mich, was für Höhen und Tiefen meine Auslandsaufenthaltskurve so beschreiben wird.

 

Letzte Änderung am Dienstag, 30 Oktober 2012 12:46