Samstag, 22 September 2012 02:00

Bangkok - Zwischen Diplomatie und Tourismus

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Nach einer längeren Busreise von Khon Kaen in Bangkok angekommen, wartete erstmal ein kleiner Kulturschock auf uns.

Die Stadt ist riesengroß und voller Touristen, wie auch nicht anders zu erwarten war. Dementsprechend stoßen die Versuche, unser schwer erworbenes Thai zu erproben, nur auf fragende Augen und jeder Laden- oder Standbesitzer wechselt sofort ins Englische, da wir für typische Pharangs gehalten werden. Besonders die Khao San Road – die touristisch am meisten besuchte Straße in Bangkok, besonders unter Backpackern – hat es keinem von uns angetan, da man dauernd gefragt wird, ob man einen Anzug geschneidert oder ein Tattoo gestochen bekommen möchte. Die Versuche, uns zu einer sogenannten "Ping-Pong-Show" einzuladen, waren auch oft begleitet von einem ploppenden Geräusch mit dem Mund – vertreten. Wer nun wissen möchte, was das genau ist, sollte es googeln. Ich werde es hier nicht zum Besten geben.

Die restliche Stadterkundung fiel allerdings ganz nett aus, als Kleingruppe von fünf Leuten gingen wir am Fluss entlang, strandeten an ein einer sehr renommierten Universität und gelangten von da aus zum Königspalast und der dazugehörigen Tempelanlage. Allerdings hatten diese schon geschlossen, ein paar Fotos konnten wir aber dennoch erhaschen.

 

Im buddhistischen Tempel - Ein Tourismusmagnet

 

So machten wir uns, nachdem wir mit einigen Taxifahrern verhandelt hatten, doch für die Hälfte des ursprünglichen Preises auf den Weg zum Hotel. Den Abend ließen wir dann ruhig in einer Bar ausklingen, um für den nächsten Tag gerüstet zu sein.

Die deutschte Botschaft war unsere erste Station. Hier wurde uns vom stellvertretenden Botschafter und seinen ranghöchsten Mitarbeitern deren Arbeit auf kultureller, rechtlicher und militärischer Ebene erklärt. Danach wurden wir wieder entlassen. Der Besuch erwies sich also als eher unspektakulär, abgesehen von den persönlichen Laufbahnen der einzelnen Personen, die viel von Reisen und diplomatischen Kniffen bargen. Etwas interessanter ging es da schon im Landesbüro unserer Entsendeorganisation zu. Hier bekamen wir gezeigt, was genau diese in Thailand eigentlich mache und uns wurde schnell klar, dass unser Freiwilligendienstg zwar ein kleiner, aber nicht unbedeutender Teil davon ist, auch wenn dieser im nächsten Jahr nicht mehr stattfinden wird. Wir vereinbarten sogar, schon bald wiederzukommen, um ein Projekt in Angriff zu nehmen, welches besonders für die Lehrer interessant sein wird: Den richtigen Umgang mit Lebensmitteln besonders bei der jungen Bevölkerung zu vergegenwärtigen. Was genau dahinter steht, weiß ich noch nicht, werde es aber vermutlich am 15. Oktober in Bangkok erfahren.

Unsere letzte Station war ein Besuch bei einem Teil des thailändischen Außenministeriums. Dort trafen wir das erste mal mit offiziellen Vertretern des Staates zusammen, in dem wir nun ein Jahr verbringen werden (okay, jetzt sind es nur noch elf Monate). Der Vorsitzende dieser Versammlung richtete einige warme Worte an uns und bezeichnete uns als "junge Diplomaten" – endlich wird man mal ernst genommen! –, wonach wir Freiwilligen uns dann auf fließendem (darauf bestand Jörg, unser Betreuer) Thai vorstellen sollten. Es wurde viel gelacht, vornehmlich über uns, und die Stimmung war sehr gut. Hier und da gabs noch ein paar Fotos, einen Film, der Thailand von seiner schönsten Seite zeigt, einige Reiseempfehlungen und den Wunsch auf ein gutes gelingen der Zusammenarbeit.

 

Auch hier entlassen machten wir uns dann auf den Rückweg zum Hotel, um dann einige unserer Mitfreiwilligen bereits am Abend ziehen zu lassen. Es war merkwürdig, traurig und zugleich erbauend, nun diese bereits freundgewordenen, neuen Menschen abfahren zu sehen und ich muss ehrlich zugeben, dass ich sie vermisse. Gleichzeitig wurde mir bewusster, dass auch ich nun am nächsten Tag endlich am Ort meiner Bestimmung eintreffen werde und die Spannung in mir legte ein paar Zähne zu. Zum Abschluss verbrachten wir auch diesen Abend mit allen Verbliebenen zusammen in besagter Bar, um noch ein wenig unsere Gedanken austauschen und die restliche gemeinsame Zeit genießen zu können.

 

Prost. Fruchtshakes schmecken eben doch besser als Bier.

Letzte Änderung am Dienstag, 30 Oktober 2012 12:53