Montag, 01 Juni 2015 16:02

Iris Kater

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Iris Kater © Gesa Kieselmann-Fricke

Die nächste Kandidatin ist nicht nur auf Grund ihres vielseitigen ehrenamtlichen Engagements keine Unbekannte in Viersen. Iris Kater ist in Viersen geboren und aufgewachsen und ist in den unterschiedlichsten Bereichen und Stadtteilen der Kreisstadt aktiv. Jetzt stellt sie sich als unabhängige Kandidatin dem Wahlkampf. Mit uns sprach sie über ihre Ziele für Viersen und die Vor -und Nachteile einer parteiunabhängigen Kandidatur.

 

MAG-4: “ Welche Impulse möchten Sie als künftige Bürgermeisterin setzten?“

 

Iris Kater: „Das sind sicherlich viele facettenreiche Themen. Ganz oben stehen für mich die Bürgerbeteiligung und auch die Einbindung der Bürger in kommunalpolitische Entscheidungen. Die, meines Erachtens, in den letzten Jahren erst sehr spät in Entscheidungsprozesse mit eingebunden worden sind. Wenn die Bürger informiert werden, ist fast schon ein vollständiger Plan da, inklusive Gutachten. Das ist natürlich sehr spät. In anderen Städten wird in dieser Richtung viel früher agiert. Zum Beispiel mit Bürgerausschüssen. In verschiedenen Ortsteilen oder zu verschiedenen Fachthemen, gibt es die Möglichkeiten solcher Bürgerausschüsse. Dort werden diese ganz früh in den Entscheidungsprozess einbezogen und haben auch später Mitspracherecht. Diese Stimme zählt und das ist natürlich sehr wichtig. Das ist auf jeden Fall einer der Hauptimpulse.

Weitere Themen sind der Wohnungsbereich, Umwelt, Infrastruktur, Stadtentwicklung, Wohlfühlen oder auch Finanzen.

Die wirtschaftliche Betrachtung der Verwaltung liegt mir sehr am Herzen. Es kann nicht um Entlassungen gehen, vielmehr muss das vorhandene Potential besser ausgeschöpft werden. Solide Haushaltspolitik und „Schuldenfreiheit“ sind in der heutigen Zeit ganz verschiedene Dinge. Es darf aber auch nicht sein, dass die Kosten durch das Veräußern von städtischem Eigentum gedeckt werden.

Als Betriebswirtin und Unternehmerin, aber auch durch meine Erfahrungen in der Verwaltung, in der ich vor meiner Selbstständigkeit lange gearbeitet habe, stehe ich für effektivere und effizientere Verwaltungsprozesse oder die Nutzung von Synergien u. a. durch Stärkung der interkommunalen Zusammenarbeit.

Eine nachhaltige Finanzpolitik verlangt umsichtiges Handeln. Durch den enormen Ausbau der Häfen in Rotterdam und Antwerpen rüsten sich bereits viele Kommunen in der Umgebung und die Bahn AG bezüglich ihrer Verkehrsinfrastruktur und der zu erwartenden Logistik. Hier kann Viersen ein Tor zur Rhein-Ruhr-Region darstellen. Immerhin leben im Umkreis von 100 Kilometern ca. 18 Millionen Menschen. Das ermöglicht uns hier ein gutes Umfeld für neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Kultur ist ein weiteres Thema. Aufgrund der schlechten Haushaltslage ist die umfassende Förderung der kulturellen Landschaft schwierig geworden, jedoch zeigen zahlreiche Veranstaltungen Möglichkeiten auf, bei denen mit Konventionen gebrochen wird um etwas Neues zu wagen.

Die Vielfalt unserer Stadt muss nicht nur erhalten bleiben, wir müssen sie unterstützen, fördern und ihr Freiräume gerade auch in der Stadtentwicklung verschaffen. Damit Kreativität und Innovationen alle Gruppen und Generationen erreichen können, ist es ein Ziel kulturelle Angebote von privaten und öffentlichen Trägern besser zu vernetzen.

 

Kultur ist für alle da und muss jedem zugänglich gemacht werden. Sie bereichert, eröffnet Welten, stärkt Neugier. Kultur verbindet, bildet und fördert. In Hamburg gibt es seit 2011 die Kulturloge, dort werden nicht abgerufene oder nicht verkaufte Karten an Menschen mit geringem Einkommen vermittelt. Warum nicht auch in Viersen?

Seit 2001 habe ich zahlreiche kulturelle Angebote mit initiiert (u. a. Literarische Tage in Viersen, Kultur im alten Standesamt, Kultur und Schule in Viersen). Bereits 2008 gründete ich eine Kulturförderung für junge Künstler am Niederrhein.

Es ist mir ein Anliegen soziale, kulturelle und wissenschaftliche Projekte voranzutreiben, weshalb ich auch in meinem Unternehmen konsequent ein starkes Verantwortungsbewusstsein in den Geschäftsbereichen verwurzelt ist.

Mit dieser Leidenschaft möchte ich mich für Viersen einsetzen und hierbei gemeinsam mit unseren Vereinen Traditionen und Werte erhalten. Dazu müssen Vereine für die Anforderungen der Zukunft gerüstet werden. Das beinhaltet gute Weiterbildungs- und Unterstützungsmöglichkeiten schaffen.

 

 

MAG-4: „Sehen sie Vorteile darin parteilos zu sein? Wo gibt es vielleicht Unterschiede zu einer Parteimitgliedschaft?“

 

Iris Kater: „Es gibt im Wahlkampf keine unterschiedlichen Pläne, ob man parteilos ist oder einer Partei angehört. Ich habe genauso meine Unterstützer und mein Wahlkampfteam zusammengestellt, wie in einer Partei. Bei mir sind es keine Parteimitglieder, sondern eben Freunde und Menschen denen ich über Jahre hinweg, häufig im Rahmen meiner sozialen Engagements, begegnet sind, die mich jetzt unterstützen.

Den Vorteil sehe ich gerade in der Wahl. In Deutschland ist aktuell jeder dritte Bürgermeister parteilos - Tendenz steigend. Im Laufe der letzten Wahlen ist die Zahl deutlich gestiegen. Die arbeiten auch, wenn man den vereinzelten Statistiken glauben darf, besser! Es liegt einfach daran, dass sie Sprachrohr der Bürger sind. Sie müssen sich nicht nach dem Parteiwillen richten, denn auch wenn ein Bürgermeister neutral sein sollte, so arbeitet er auch später zum großen Teil in die Richtung seiner Partei. Man nimmt die Ziele seiner Partei auch mit in das Amt. Das ist etwas, was mich freier macht. Unabhängig! Das ist etwas sehr positives. Das man jetzt die Möglichkeit hat, den Willen der Bürger anders umzusetzen. Anders zu hören.

Viele haben mich gefragt: Wie machst du das, wenn du dann im Rat sitzt, du brauchst doch deine Mehrheiten. Das geht doch gar nicht. Man sagt immer, mit den Parteilosen arbeitet doch keiner. Erstaunlicher Weise funktioniert dies danach aber hervorragend und wurde in allen anderen Städten mit unabhängigen Bürgermeistern umgesetzt. Das klappt gut. Ich möchte gerne etwas in Viersen verändern, mitgestalten. Zukunft gestalten mit den Bürgern. Ich möchte Mittler und Sprachrohr sein zwischen den Fronten und den verschieden Gruppierungen. Zwischen Politik, Verwaltung und dem Bürger. Darauf freue ich mich sehr.

Ich sehe mit den Augen des Bürgers und nicht mit denen eines Politikers oder Verwaltungsmenschen. Die Bürger bilden die Mehrheit in Viersen.

 


© Gesa Kieselmann-Fricke 

 

MAG-4: „Sie haben einmal gesagt, sie peilen eine Stichwahl an. Warum?“

 

Iris Kater: „Bei sechs Kandidaten ist es, rein rechnerisch, fast unmöglich ohne Stichwahl Bürgermeisterin zu werden (lacht!). Wir sind momentan bei sechs Kandidaten. Wir wissen noch nicht, ob wir nicht bei acht sind, wenn FDP und NPD noch nachkommen. Vielleicht kommt ja sogar noch ein Freier, dann wären wir sogar bei neun. Sechs sind es sicher. Und wenn ich die Prozente nehme, die Stammwähler, die schon ihr Leben lang eine Partei gewählt haben, dann ist es fast unmöglich mit einer Direktwahl durchzukommen. Das wäre natürlich toll. Es wäre auch gelogen, wenn ich das nicht anpeile. Es wäre natürlich super. Aber ich bin realistisch. Sollte es passieren, hüpfe ich natürlich von einem Bein aufs andere. Aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr, sehr gering. Mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben! Ich peile klar die Stichwahl an und die möchte ich gewinnen. Es ist diesmal auch anders. Wir haben einen Bürgermeister, der aufhört. Es gibt diesmal keinen sogenannten Amtsbonus. Die Stimmen sind jetzt alle frei. Das hat es so in Viersen noch nicht gegeben.“

 

 

MAG-4:   „Sie sind in Viersen geboren und aufgewachsen. Was macht diese Stadt besonders für Sie? Welche Potentiale sehen Sie?“

 

Iris Kater: „Oh weitreichendes Thema! Ich bin in Viersen aufgewachsen. Ich glaube, dass Viersen in den letzten Jahren noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Das sieht man auch daran, dass ich der Meinung bin, dass Viersen als Kreisstadt auch strahlen sollte in die anderen Gemeinden hinein. Das Verhältnis, was wir zu den Gemeinden haben könnte besser sein. Mir liegt eine gute Nachbarschaft mit den umliegenden Gemeinden sehr am Herzen, damit wir Potentiale bündeln können. Ich glaube, dass wir mehr können! Wir liegen hervorragend als Vorort von Düsseldorf. Wir haben eine wunderbare Grenznähe zu den Niederlanden, auch zur Fontys. Das haben wir einfach noch nicht genug ausgeschöpft. Auch im touristischen Bereich können wir sicherlich mehr! Ein Ziel ist zum Beispiel, bessere Radwege zu entwickeln. Naherholungsgebiete zu schaffen. Der Niederrhein ist wunderschön. Das müssen wir stärker herausstellen. Tourismusförderung wird so zu einem zukunftsweisenden Thema, das in der Stadt Viersen jedoch immer noch nur einen kleinen Teil der Außendarstellung einnimmt. Dabei schafft Tourismus Arbeitsplätze, aktuell rund 21.400 rechnerische Vollarbeitsplätze, was ungefähr 32.100 tatsächlichen Arbeitsverhältnissen entspricht und generiert Steuereinnahmen, denn Tourismus am Niederrhein erbringt durchschnittlich rund 51,8 Millionen Euro Steuereinnahmen pro Jahr für die kommunalen Haushalte unserer Region.

Wir müssen heutzutage lernen, als eine Region zu werben und nicht als einzelne Stadt. Eine Stadt zu bewerben ist sehr schwierig. Man bewirbt eine Region und innerhalb dessen, bewirbt man bestimmte Merkmale. Der Kreis Viersen versucht das schon. Ich bin in diesem Bereich in verschiedenen Gremien tätig. Aber wir müssen lernen, dass es gemeinsam möglich ist, den Niederrhein als eine Region darzustellen, in die man gerne kommt. Daran müssen wir arbeiten. Außerdem möchte ich das bürgerliche Engagement stärken. Es gibt so viele Bürger, die sich engagieren möchten aber es aus diversen, auch bürokratischen Gründen, nicht können oder dürfen. Die Würdigung dieser Protagonisten ist mir ein Anliegen, ich werde mich unermüdlich dafür einsetzen, dass wo immer Hilfen durch die Verwaltung möglich gemacht werden kann auch Hilfe erfolgt und bei Arbeitgebern sowie Unternehmen um tatkräftige Unterstützung werben.

Der Anfang wurde durch die Ehrenamtskarte gemacht, die aber bisher nicht die Öffentlichkeitsarbeit erfahren hat, die ihr zusteht. Die Einrichtung eines „Tag des Ehrenamtes“ in Viersen ist deshalb ein weiteres sichtbares Zeichen der Wertschätzung Ihres Engagements, das ich mit großer Dankbarkeit für Ihre Arbeit in unserer Stadt verbinde.“

 

 

MAG-4: „Welche Frage wollten Sie schon immer beantworten?“

 

Iris Kater: „Das ist jetzt sehr schwer! (lacht!) Mal überlegen! Vielleicht die Arbeit in den unterschiedlichen Stadtteilen. Jetzt fehlt nur noch die passende Frage! Ich kann ja mal einfach anfangen zu reden.

Ich bin gefragt worden, ob ich denn als Hammer Mädche, ob ich denn auch wüsste, was sich in den einzelnen Stadtteilen tut. Ich bin in Viersen-Hamm groß geworden, habe meine Jugendzeit in Süchteln verbracht und war danach lange Zeit in Dülken. Ich weiß nicht nur, was sich in den einzelnen Stadtteilen tut, sondern ich bin auch in allen Stadtteilen aktiv. Wenn man Kinder hat und es geht einem Kind schlecht, kümmert man sich um dieses Kind. Und deswegen liegt mein Herz momentan ein wenig mehr in Dülken. Nicht, das die anderen Stadtteile dies nicht auch bräuchten, bitte nicht falsch verstehen! Aber Dülken stirbt! Mitte der 80er Jahre hatten wir dies auch in Kempen. Dann hat man sich zusammen gerauft, wirklich hart gearbeitet und Anfang der 90er Jahre funktionierte es wieder. Das gleiche ist auch in Dülken möglich! Dülken kann nicht nur eine Feierstadt sein. Dülken muss ein Stadtteil sein, um zu leben. Eine traumhafte Innenstadt! Mit den alten Häusern und den verwinkelten Gässchen. Mit große Potential etwas zu schaffen, wo es einfach Spaß macht zu flanieren und Einkaufen zu gehen. Das müssen wir auch tun. Ich stehe da sicherlich entgegen des Einzelhandelskonzeptes, das die Stadt Viersen entwickelt hat, was klar aussagt, Alt Viersen muss gefördert werden. Ich bin der Meinung, dass wir jeden einzelnen Stadtteil in Viersen für sich mit den Menschen, mit den Eigenheiten dieser Menschen, denn wir sind alle anders, fördern sollten und Projekte für den Stadtteil und die Menschen entwickeln. Die Stadtteile müssen mit Blick auf die Ressourcen weiterentwickelt werden, die jeden einzelnen Stadtteil ausmachen. Unterschiede bieten hier Möglichkeiten, mit denen wir den stationären Einzelhandel stärken können.

Eine Wiederbelebung der Dülkener und Boisheimer Innenstädte muss Hand in Hand mit den Menschen und der Wirtschaft erfolgen. Eine „Partymeile“ wie aktuell in Dülken praktiziert wird, kann nicht das Zukunftskonzept sein dem wir folgen wollen.

Ebenso stehe ich nicht für die Ansiedlung eines Vollsortimenters auf dem St.-Florian-Platz in Süchteln.

Erfahrungen aus vierzehn Jahren Selbstständigkeit und meine ehrenamtliche Tätigkeit in verschiedenen Wirtschaftsgremien wie in der Vollversammlung der IHK Mittlerer Niederrhein werde ich dafür einsetzen der Wirtschaft vor Ort hilfreich zur Seite zu stehen.

Das Verhältnis zwischen öffentlichem und privatem Interesse der Anlieger muss wirklich ausgewogen sein. Der Weg ist ein vertrauensvolles Miteinander zwischen Verwaltung, Wirtschaft und den Menschen vor Ort.“

 

Name: Iris Kater

Jahrgang: 1974

Geburtsort: Viersen

Ausbildung: Städt. kath. Grundschule Viersen-Hamm, Städt. Realschule an der Josefskirche, Internat, Schloss Gaibach, Volkach, Städt. Realschule an der Josefskirche, Ausbildung zur Justizangestellten am Amtsgericht Düsseldorf in der Strafprozessabteilung, Ordnungsamt und Straßenverkehrsamt Kreis Viersen, 1997 Diplom Sekretärin SGD, 2001 Verlagsleitung Iris Katerverlag und Medienbüro, 2007 Geschäftsführerin der Iris Kater Verlag und Medien GmbH, seit 2007 Ausbilderin zur Medienkauffrau/-man digital und print, Bürokauffrau, 2011 geprüfte Betriebswirtin SGD.

 

Hobbys: Ehrenamt, Kultur, Familie

 

Leitspruch: Verantwortlich ist man nicht nur, für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut. (Laotse)

  

Name: Iris Kater

Jahrgang: 1974

Geburtsort: Viersen

Ausbildung: Städt. kath. Grundschule Viersen-Hamm, Städt. Realschule an der Josefskirche, Internat, Schloss Gaibach, Volkach, Städt. Realschule an der Josefskirche, Ausbildung zur Justizangestellten am Amtsgericht Düsseldorf in der Strafprozessabteilung, Ordnungsamt und Straßenverkehrsamt Kreis Viersen, 1997 Diplom Sekretärin SGD, 2001 Verlagsleitung Iris Katerverlag und Medienbüro, 2007 Geschäftsführerin der Iris Kater Verlag und Medien GmbH, seit 2007 Ausbilderin zur Medienkauffrau/-man digital und print, Bürokauffrau, 2011 geprüfte Betriebswirtin SGD.

 

Hobbys: Ehrenamt, Kultur, Familie

 

Leitspruch: Verantwortlich ist man nicht nur, für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut. (Laotse)

 

 

 

Letzte Änderung am Dienstag, 02 Juni 2015 10:47