Mittwoch, 27 Mai 2015 18:01

Sabine Anemüller

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Sabine Anemüller © Gesa Kieselmann-Fricke

Als nächste Kandidatin stellen wir Ihnen heute Sabine Anemüller von der SPD vor. Sie ist derzeit die zweite stellvertretene Bürgermeisterin in Viersen und Vorsitzende des Sozialausschusses.

Ursprünglich stammt Sie aus Oberhausen, hat längere Zeit in Duisburg gelebt und ist (der Liebe wegen) vor 8 Jahren mit ihren beiden Töchtern nach Viersen gezogen. Sie liebt den Niederrhein und bezeichnet diesen mittlerweile als ihre Heimat, denn es sind die Menschen, die sie sich hier zuhause fühlen lässt. Ihre Schwerpunktthemen sind Soziales, Bildung und Jugend. Wir wollen wissen, was die berufstätige Mutter von zwei Töchtern sonst noch geplant hat? Lesen Sie selbst.

MAG-4: „Herr Dr. Paul Schrömbges hat seine Amtszeit als seine Art Staffellauf bezeichnet. Sie laufen auch in Ihrer Freizeit. Welche Akzente möchten Sie setzten, sollte im Herbst an Sie der Staffelstab übergeben werden?“

 

Sabine Anemüller: „Jeden Kandidaten wird das Thema Finanzen begleiten bzw. die Stabilität der Finanzen und unsere Haushaltsicherheit. Wir haben im Dezember 2014 einen Haushaltsplan verabschiedet, der vorsieht, dass in den nächsten 10 Jahren ein Ausgleich erzielt werden soll. Das ist deshalb wichtig, weil wir so unsere kommunale Handlungs- und Gestaltungsfreiheit erhalten können. Trotzdem ist das Sparen alleine keine Lösung, betriebswirtschaftliche Aspekte und effizientes Handeln können Ansätze sein, um weitere Möglichkeiten und Potentiale für andere Bereiche zu erwirken. Meine Schwerpunktthemen liegen im sozialen Bereich, in der Bildung und Jugend.

Diese Bereiche sind mir deshalb nah, da sich hier meine wesentliche berufliche Zeit wiederspiegelt. Der amtierende Bürgermeister hat seine Schwerpunkte in den Bereichen Stadtentwicklung und Bauen gesetzt. Das soll natürlich nicht heißen, dass mit mir nicht weiter gebaut wird. Dafür gibt es viel zu viele Bedarfe gerade auch in den einzelnen Stadtteilen. Vor allem in Dülken, aber auch in Süchteln und Boisheim. Denn lebendige Stadtzentren sind wichtige urbane Treffpunkte für die Bürgerinnen und Bürger und die gilt es wiederzubeleben oder wiederherzurichten.

Wir können sicherlich keine Wunder erwirken aber wir müssen mit den Bürgern vor Ort gemeinsam schauen und analysieren, was möglich ist. Der Edeka-Laden, der jetzt in Dülken geplant ist, wird sicher nicht der alleinige Heilsbringer sein. Baulich wird das alles sicher sehr schön werden, gerade der Weg vom Busbahnhof in die Stadt wird sehr offen gestaltet und ich hoffe schon, dass sich dies positiv auf die Dülkener Innenstadt auswirken wird, aber es muss noch mehr in die Hand genommen werden und zwar mit den Dülkenern gemeinsam. Auch in Süchteln müssen wir gemeinsam mit den Süchtelnern ein Konzept entwickeln für den Innenstadtbereich und den St. Floriansplatz, denn die unterschiedlichen Interessen gilt es hier unter einen Hut zu bringen.

 

Gerade Bürgerbeteiligung ist das Thema überhaupt, mit dem sich alle Parteien, Politiker und natürlich jeder Kandidaten befasst. Doch das Wie ist hier die große Frage. Wie kriegt man Bürgerbeteiligung vernünftig, gescheit und effektiv für alle Beteiligten hin? Mit Bürgerinformationen oder einer Bürgersprechstunde ist es meines Erachtens nicht getan. Das gemeinsame Entwickeln und die Einbindung der Bürger von Anfang an bei Prozessen in vielfältigen Bereichen sind unabdingbar, auch wenn die Organisation durchaus eine Herausforderung darstellt.

 

Nochmal zurück zu den mir wichtigen Themen Familie, Bildung, Jugend:

Versprechungen, die Geld kosten, sind einfach gemacht, müssen aber gut überlegt werden, wie sie jeweils zu realisieren sind. Prioritäten setzen ist hier wichtig. Z.B. beim Stichwort Kinderfreundliche Stadt: Derzeit werden gerade die Spielplätze in Viersen überprüft, wo noch Bedarf besteht, wo Ersatz nötig ist oder Ausbau oder Instandhaltung. Das ist alles auch richtig, denn mancher Spielplatz wird ja tatsächlich nicht mehr gebraucht oder sollte anders ausgestattet sein. Das Ergebnis meiner eigenen persönlichen Umfrage in meinem Wohngebiet im Robend – ein Familien-Zuzugsgebiet – bestätigt, dass für viele Familien ein gut ausgestatteter Spielplatz in der Umgebung wichtig ist. Deshalb bin ich froh, dass ganz aktuell politisch beschlossen wurde, dass für die drei auf der Streichliste ursprünglich vorgeschlagenen Spielplätze im Robend Ersatz geschaffen wird.

 

Auch in den Schulen liegt mir das Angebot einer guten Kinderbetreuung am Herzen. Mein Wunschtraum ist, dass wir allen Kindern in Viersen ein Mittagessen anbieten können und zwar kostenlos zumindest für jene, die es sich nicht leisten können. Ich habe auch hier mein Wohngebiet im Robend vor Augen, wo in einem Jugendzentrum ein pädagogisches und kostenloses Mittagessen angeboten wird für die Grundschüler aus der Umgebung. Die Finanzierung dieses Mittagessens wird von wechselnden Geldgebern gesponsert, steht jährlich „auf der Kippe“ und ich suche gemeinsam mit den Betreibern wieder mal nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten. Und glauben Sie mir, gerade im Robend wird dieser Mittagsessen sehr gut angenommen und bitter benötigt. Generell ist mir jedoch eine flexible Betreuung schon für kleine Kinder vor der Schule aber eben auch für die Schulkinder wichtig, denn Müttern wie Vätern muss es ermöglicht werden, ihrem Job nachgehen zu können und trotzdem die Kinder gut betreut zu wissen.“

 

 

© Gesa Kieselmann-Fricke

 

MAG-4: „Soziale Themen liegen Ihnen am Herzen. Sie haben einmal gesagt (Interview RP 21.11.2014), dass ein Bürgermeister nicht alles alleine entscheiden kann. Aber ein Bürgermeister kann im Rahmen der Möglichkeiten, die die Politik vorgibt, die Stadt voranbringen. Welcher Rahmen kann das sein, um Ihre sozialen Projekte wie zum Beispiel den Ausbau der Kinderbetreuung voranzubringen?“

 

Sabine Anemüller: „Manchmal sind einem Bürgermeister schon in gewisser Weise die Hände gebunden. Jeder Wunsch wird sich ggf. nicht realisieren lassen. Denn ausschlaggebend für die Politik einer Stadt sind der Stadtrat und seine Entscheidungen und hier kommt es dann jeweils auf die Zusammensetzung des Stadtrates an. Der Bürgermeister kann jedoch innerhalb dieses Rahmens Spielräume nutzen und Akzente setzen. Impulse an die Politik geben, wo Handlungsbedarfe bestehen, Politik und Dinge auf den Weg bringen sowie Entscheidungen einfordern. Von daher sehe ich durchaus Handlungsspielräume in der Bürgermeister-Tätigkeit, auch wenn ein Bürgermeister nicht alles allein entscheiden kann, ja - aber eine Akzentuierung ist möglich und mit der Führung der Verwaltung eröffnen sich ebenfalls viele Möglichkeiten.“

 

 

MAG-4: „Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Beteiligung der Bürger. Wie möchten Sie die Bürger motivieren? Welche neuen Möglichkeiten werden Sie den Bürgern anbieten?“

 

Sabine Anemüller: „In bestimmten Bereichen ist schon derzeit Bürgerbeteiligung gesetzlich vorgeschrieben, so zum Beispiel im baulichen Bereich. Bürgerversammlungen werden abgehalten und die Bürger haben die Möglichkeit, mit – auch recht formlosen – Eingaben ihre Belange auf den Weg zu bringen. Dies ist auf andere Bereiche und Themen sicher ausbaubar und auszuweiten. Mir fällt dazu gerade die erst kürzlich erfolgte Umfrage zum Feierabendmarkt auf Facebook ein, erstmalig – meine ich – mittels dieses Mediums. Doch daran ist zu sehen, dass auch die Verwaltung verschiedene Bürgerbeteiligungs-Instrumente ausprobiert. Neue Wege müssen beschritten und ausprobiert werden und Erfahrungen gesammelt werden, auch z.B. bei welchen Themen welches Instrument gut funktioniert und gut eingesetzt werden kann. Da hat jeder so seine Vorstellungen, ich sicher auch. Die Realisierbarkeit und Umsetzbarkeit muss jedoch dann immer noch geprüft werden, mitunter auch durch Experten. Ich würde nicht ein fertiges Konstrukt entwickeln als Verwaltung und dann in einer Bürgerversammlung vorstellen mit der Frage, so liebe Bürger, jetzt sagt mir mal, wie ihr es findet. Das sollte erst der dritte oder vierte Schritt sein. Ich würde die Bürger von Anfang an einbeziehen und fragen: Wie sehen Eure Vorstellungen aus? Und mit diesen Vorgaben sollte dann eine fachliche Entwicklung angegangen werden. Da mag im konkreten Einzelfall nicht immer ganz einfach sein, insbesondere, wenn verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen sind, doch das ist die Herausforderung, breit getragene Mehrheiten und möglichst konsensuale Lösungen zu finden.

Transparenz ist dabei unabdingbar. Was geht und was geht nicht. Wenn zu finanziellen und gesetzlichen und technischen Rahmenbedingungen ein offener Umgang gepflegt wird, ist auch auf Seiten der Bürgerinnen und Bürger mehr Verständnis zu erwarten. Da bin ich sicher.“

 

MAG-4: „Sie sind nach Viersen von Duisburg zugezogen. Was macht für Sie die Stadt aus?“

 

Sabine Anemüller: „Vor acht Jahren habe ich meinen jetzigen Lebenspartner – ein gebürtiger Viersener übrigens – kennengerlernt und bin mit meinen beiden Töchtern (damals 8 und 12 Jahre) schon recht schnell hierhin gezogen. Ich habe, sicherlich zunächst durch meinen Mann, aber dann auch durch die Politik und durch mein immer stärkeres Einbringen in verschiedene – gerade auch soziale – Bereiche Viersen und vor allem viele Viersener nicht nur gut kennengelernt sondern die Stadt und vor allem die Menschen hier sind mir sehr ans Herz gewachsen. Ich bin hier zuhause und ich bezeichne Viersen als meine Heimat. Denn für mich macht Heimat oder das Zuhause-Gefühl die Menschen aus. Und ja – der niederrheinische Menschenschlag ist mir schon sehr nahe. Das mag durchaus auch mit meiner Herkunft aus dem Ruhrpott zu tun haben, auch dort trägt man dat Herz auf der Zunge, ist offen und ehrlich, kommunikativ und herzlich und das erlebe ich hier ebenfalls. Das macht die Stadt für mich aus, lebenswert und liebenswert. Das möchte ich bewahren und erhalten und weiter ausbauen. Und das gilt für alle Stadtteile in Viersen, jeder für sich mit seinem eigenen Charme.“

 

 

 

MAG-4: „Welche Frage wollten Sie schon immer mal beantworten?“

 

Sabine Anemüller: „Oh das ist ja jetzt kreativ! Vielleicht zum Brauchtum! Das bin ich tatsächlich noch nie gefragt worden. Und das würde ich an dieser Stelle auch gerne würdigen, denn gerade im Hinblick auf mein soziales Engagement möchte ich gerne betonen, dass ich gerade hier in Viersen erlebt habe, wie beides miteinander verbunden ist. Das habe ich so in der Tiefe in den Orten, wo ich bisher gelebt habe, so nicht erfahren oder ich habe – das muss ich gestehen – nicht diesen Einblick gehabt.

Ich habe in Duisburg zum Beispiel direkt neben einem Schützenplatz gewohnt. Das war durchaus eine nette Nachbarschaft und sie haben von mir bei Festen und anderem immer den Wasseranschluss bekommen aber ich war in dem Bereich nie so aktiv und habe infolgedessen auch nicht mitbekommen, was da so läuft und was die alles so machen. Das habe ich erst hier in Viersen gesehen und mir die Augen geöffnet, welch auch soziales Engagement dort gleistet wird – ob in der Jugendarbeit oder für die Senioren. Das weiß´ ich heute zu würdigen und bin deshalb – neben meinem karnevalistischen Treiben – auch dem Schützenverein in meinem Wohnort eingetreten. Damit möchte ich nicht nur das Brauchtum sondern alle lokale Engagements fördern und unterstützen. “

 

Name: Sabine Anemöller

Jahrgang: 1963

Geburtsort: Oberhausen

Ausbildung: 1969 – 1973 Grundschule Alsfeld Oberhausen, Grundschule Hartmanschule Oberhausen,

1973-1979 Sophie Scholl-Gymnasium, Oberhausen, Friedrich –Ebert-Realschule, Oberhausen , 1979-1982 Ausbildung zur Industriekauffrau MAN-GHH, Oberhausen- Sterkrade, 1982-1983 Fachhochschulreife am Hans-Böckler Berufskolleg , Oberhausen, 1983-1988 Studium der Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft an der Universität Duisburg Abschluss: Diplom Ökonomin , 1988-1992 Trainee und anschließend Europa Controllerin Johnson Meß –und Reglungstechnik, Essen, Seit 1992 Stadtverwaltung Duisburg, leitende Funktion in den Bereichen Jugend, Finanzen und Bildung. 

Hobbys: Musik, Kultur, Spaziergänge mit dem Familienhund

Leitspruch: "Unser größter Ruhm ist nicht, niemals zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen." (Nelson Mandela)

 

 

Letzte Änderung am Donnerstag, 28 Mai 2015 21:15