Montag, 14 April 2014 14:57

komm auf Tour – Gestärkt in die Zukunft

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Als es bei mir um das Thema Berufswahl ging, wusste ich zunächst nicht so genau, was ich machen wollte. Ich habe mir schon überlegt, was würde mir Spaß machen, was kann ich gut aber irgendwie kam ich nicht weiter. Auch der Fragebogen, den wir in der Schule gemacht haben und der dann von der Agentur für Arbeit ausgewertet wurde, half mir nicht wirklich weiter. Ich fand mich in den Vorschlägen einfach nicht wieder. Ich denke ein Projekt wie komm auf Tour hätte mir schon geholfen. Dies sehen auch Lehrer, Schüler und Eltern aus dem Kreis Viersen so. Vom 1.04.2014 bis zum 4.04.2014 ging komm auf Tour in der Viersener Festhalle zum sechsten Mal an den Start.

 

 

Seine eigenen Stärken kennenlernen, aber auch etwas über sich selbst zu erfahren und sich Gedanken zu machen, was einem wichtig ist und zu überlegen, wie die Zukunft aussehen soll, sind wichtige Bausteine, wenn es um eine wichtige Entscheidung wie die Berufswahl geht. Genau damit beschäftigen sich die Jugendlichen, während sie den Parcours von komm auf Tour durchlaufen.

„Alles ist positiv besetzt. Wir wollen das Positive hervorheben. Hier soll es nur darum gehen, die Schüler positiv zu bestärken.“, sagt Marion Strehlow von der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung.

Schirmherr und Bürgermeister Günther Thönessen betont: „Es ist wichtig, die Kinder so früh wie möglich an das heranzuführen, dass das ganze Leben beeinflussen kann. Es ist auch eine Art soziale Prophylaxe im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel.“

 

 

 

"komm auf Tour kommt auf Tour.", Günther Thönnessen begrüßt die Jugendlichen.

 

 

 

Wer bin ich – Was will ich?

 

In den drei Tagen durchlaufen insgesamt 670 Schüler und Schülerinnen der 7. Klassen von Gesamt – und Hauptschulen und der 7. und  8. Klassen der Förderschulen aus Kaldenkirchen, Kempen, Nettetal, Niederkrüchten, Schwalmtal, Süchteln, Viersen und Willich die sechs Stationen des Parcours.

Die Theaterbühne ist die beliebteste Station. Die Schüler schlüpfen in andere Rollen und können sich ausprobieren. Verschiedene Lebenssituationen stehen dabei zur Auswahl: Eine  Eifersuchtsszene, ein Bewerbungsgespräch oder eine Rap-Performance. Viele der Schüler stehen dabei zum ersten Mal im Rampenlicht und erhalten Applaus vom Publikum.

„Allerdings erscheinen nicht alle Aufgaben auf den ersten Blick so wie sie scheinen.“, verrät Marion Strehlow und ein leichtes Grinsen huscht über ihr Gesicht. An der Station Sturmfreie Bude sollen die Schüler die Wohnung nach einer Party wieder herrichten. „ Es gibt zum Beispiel die Aufgaben Bettenbau und Shoppingtour. Was glauben sie wofür sich die Mädchen und wofür sich die Jungen entscheiden?“, fragt sie in die Runde. Alle sind sich einig: Die Mädchen nehmen die Shoppingtour und die Jungen den Bettenbau. „Das stimmt. Aber hinter den Aufgaben steckt noch mehr. Vor der Shoppingtour muss noch der Siphon zusammengebaut werden. Und beim Bettenbau geht es nicht darum mit Hammer und Nägeln ein Bett zu bauen, sondern es zu machen.“, erklärt Marion Strehlow. Die Jugendlichen sollen damit dafür sensibilisiert werden einmal über den Tellerrand zu schauen und nicht nur Geschlechterspezifisch zu denken. „Mädchen können genauso gute Mechatroniker sein und Jungen können ebenso gut Frisör werden.“, erläutert Marion Strehlow. Die Hälfte der Jugendlichen findet es nicht gut, wenn Männer in Frauenberufen tätig sind und Frauen die Männerdomänen stürmen. Nach dem Parcours ergeben sich signifikante Änderungen in Bezug auf geschlechtsspezifische Arbeit. 

Bei komm auf Tour geht es auch darum Hemmschwellen abzubauen. Daher unterstützen Vertreter unterschiedlichster lokaler Institutionen, wie zum Beispiel  der Suchtberatung oder der Aidsberatung das Projekt. „Wenn man einmal einen ersten persönlichen Kontakt zu einem der Mitarbeiter geknüpft hat, fällt es einem leichter später bei einem Problem zu dieser Beratungsstelle zu gehen und Hilfe zu suchen. Und die Jugendlichen lernen die Stellen kennen und wissen, wo sie im Notfall Hilfe bekommen.“, erklärt Marion Strehlow.

 

 

 

Die Theaterbühne - Hier schüpfen die Schüler in andere Rollen.

 

 

 

Unterstützung geben –Perspektiven bieten

 

Ein weiteres Anliegen des Projektes ist es, den Schülern Perspektiven für eine mögliche Lebensplanung aufzuzeigen und damit auch Selbstbewusstsein und Vertrauen in sich und die eigenen Fähigkeiten zu vermitteln. „In Studien wurde belegt, dass zum Beispiel das Risiko ungewollter Teenagerschwangerschaften bei sozialer Benachteiligung und damit einhergehender Perspektivlosigkeit erhöht ist. Auch spielen natürlich Anwendungsfehler bei den Verhütungsmitteln und mangelnde Kommunikation über Sexualität eine Rolle.“, führt Marion Strehlow aus.

Doch nicht nur die Schüler brauchen Unterstützung, sondern auch die Eltern. Monika Joannidis betont: „Wir wollen den Eltern etwas an die Hand geben, um sie zu unterstützen, damit sie ihre Kinder in der Berufswahl unterstützen können.“ Daher gibt es für die Eltern eine Infoveranstaltung, wo sie den Parcours kennenlernen und mit allen Beteiligten in Kontakt kommen. Außerdem erhalten die Eltern eine Elternspielkarte, in welcher sie die Stärken ihres Kindes eintragen können. Diese werden dann mit dem Ergebnis des Kindes verglichen. „Die Eltern und die Jugendlichen werden angeregt miteinander über dieses Thema zu sprechen. Und es klappt. 58% der Jugendlichen geben an, dass sie nach dem Parcours auch zu Hause über ihre Stärken und ihre Zukunft gesprochen haben.“, freut sich Strehlow.

 

 

 

 

Letzte Änderung am Montag, 14 April 2014 15:11