Donnerstag, 28 November 2013 11:36

Die Industrie – Dein Freund und Helfer!?

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Zum dritten Mal öffneten im Rahmen der langen Nacht der Industrie 68 Unternehmen ihre Pforten und Mensch und Industrie hatten Gelegenheit sich ausgiebig zu beschnuppern. Die Besucher erhielten einen Einblick  hinter die die Kulissen, der ihnen sonst verwehrt bleibt, die Unternehmen hatten die Chance, sich außerhalb von Messen und Broschüren hautnah als patenter Arbeitgeber zu präsentieren.  Eine Frage die an diesem Abend diskutiert wurde:  Geht es auch ohne Industrie oder gehört sie fest zu unserem Alltag?

 

 

Als  ich an diesem Abend in den Bus steige, bin ich in erster Linie gespannt, was mich bei den beiden Unternehmen, die ich besuchen werde, erwartet. Was erfahre ich noch, außer den Dingen, die man aus der Presse oder den Internetauftritten weiß? Ich habe mich für die Tour 30.1 von insgesamt 39 Touren an diesem Abend entschieden. Sie führt mich zum Niersverband in Mönchengladbach-Neuwerk und SMS Meer in Mönchengladbach. Erste Station: der Niersverband in Neuwerk. Und gleich am Anfang der Präsentation von Dr. Ulrich Otto, Leiter der Abteilung Abwasser beim Niersverband, rückt eine ganz andere Frage in den Vordergrund: Braucht man eigentlich die Industrie im Alltag oder kann man getrost auf sie verzichten? Dr. Otto präsentiert der Gruppe ein Video, in welchem Passanten genau mit dieser Frage konfrontiert werden. Das Ergebnis ist eindeutig: Ohne die Industrie wird es wohl nicht gehen. Ohne die Industrie wären wir heute nicht dort, wo wir heute sind. Ihre Erzeugnisse sind inzwischen so alltäglich geworden, dass der Prozess vom Rohstoff zum fertigen Produkt uns gar nicht mehr gegenwärtig ist. Wir schlüpfen in unsere Jeans, waschen unser Gesicht mit Seife, fahren mit dem Bus oder der Bahn zur Arbeit oder in die Freizeit. Neben den ganzen positiven Aspekten, die uns die industrielle Revolution gebracht hat gibt es, gerade in Bezug auf unsere Umwelt, einige Aspekte die durchaus negativ sind, wie beispielsweise die Belastung der Gewässer.

 

 

 

Kläranlage Niersverband in Neuwerk

 

 

 

Der Niersverband - Ökonomie = Ökologie

 

Hier setzt die Arbeit des Niersverbandes an. Er ist zuständig für das oberirdische Einzugsgebiet der Niers von beindruckenden 1.348 km². Durch die Arbeit des Verbandes ist vom ehemaligen „Rio Tinto“ vom Anfang des 20. Jahrhunderts nichts mehr zu sehen und zu riechen. Die Niers ist heute ein Fluss, an dem sich nicht nur die Menschen wieder wohlfühlen, sondern auch immer mehr Fische und kleinste Lebewesen und Pflanzen. Dies verdeutlicht auch eine von vier Stationen, an die wir an diesem Abend geführt werden, um die verschiedenen Aufgaben des Niersverbandes darzustellen. Neben der Abwasserreinigung kümmert sich der Verband noch um die Gewässerunterhaltung, Niederschlagswasserbehandlung und -rückhaltung, naturnahe Umgestaltung der Gewässer, Regelung des Wasserabflusses und die Sicherung des Hochwasserabflusses sowie das Abfallmanagement des bei seiner Arbeit anfallenden Abfalls. An einer anderen Station zeigt man uns verschiedene Maschinen, mit denen z. B. das Ufer der Niers und das Gras im Fluss beschnitten und gemäht werden kann. Besonders beeindruckend ist dabei ein Gefährt, das seine vier Räder oder besser gesagt „Beine“ individuell dem Untergrund anpassen kann und die Mitarbeiter somit auch auf schwierigem Grund arbeiten können. Schlusspunkt ist der Gang auf den Faulturm. Hier hat man nicht nur einen tollen Blick über die gesamte riesige Anlage, sondern auch einen grandiosen Ausblick bis hin zum Tagebau. In diesem Behälter entsteht Faulgas. Dieses Gas nutzt der Niersverband für das eigene Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmegewinnung. 70% der eigenen Energie wird hier erzeugt.  

 

 

 

SMS Meer - Think big!

 

Weiter geht es zur nächsten Station SMS Meer. Auch hier erhalten wir zunächst durch einen Vortrag einen Einblick in das Unternehmen. Schnell wird klar „Think big“ sind hier nicht nur leere Worte! SMS Meer baut die ganz großen Dinger wie Stahlwerke, Stranggießanlagen, Rohrwerke, Profilwalzwerke, Schmiedetechnik, NE-Anlagen und Wärmetechnik. Das Leistungsspektrum reicht von der Beratung, Realisierung, Inbetriebnahme bis hin zum Service. SMS Meer ist ein Bereich der SMS group. Die SMS group existiert unter dem Dach der SMS Holding GmbH aus einer Gruppe von international agierenden Unternehmen des Anlagen- und Maschinenbaus für die Verarbeitung von Stahl und NE-Metallen. Sie gliedert sich in die Bereiche SMS Siemag und SMS Meer. Alleineigentümer der SMS group ist die Siemag Weiss GmbH & Co. KG Holding der Familie Weiss.

 

SMS Meer Standort Mönchengladbach

 

Besonders beeindruckend finde ich ein Video eines Kunden, das den Aufbau einer großen Anlage zeigt. An diesem Beispiel wird deutlich, wie viel Arbeit und wie viel einzelne Schritte und nicht zuletzt Mitarbeiter nötig sind, um ein solches Projekt zu realisieren. Als dann am Ende das erste Stahlrohr die Anlage verlässt, springt bei mir auch ein Funke von Stolz über und ich versuche nachzufühlen, wie sich die Mitarbeiter des Projektes zu diesem Zeitpunkt gefühlt haben müssen. Jetzt bin erst recht gespannt auf die folgende Führung. Ausgestattet mit Headsets verlassen wir den Raum in Richtung Produktionshalle. Diese Halle wurde vor ca. einem Jahr neu errichtet. An der Decke sieht man große Kräne, die Lasten bis zu 180 Tonnen stemmen können. Weiter geht es durch die Halle begleitet durch den Vortrag gespickt mit interessanten Details und Anekdoten unseres Guides. Ein Highlight der Führung ist eine Maschine mit Premium Quality Finishing. Seit zehn Jahren gibt es diese Technologie. Über 200 Kunden aus 23 Ländern kamen im September um dieses Jubiläum mit dem ersten Rohrsymposium zu feiern. Insgesamt 20 Nahtlosrohranlagen dieser Art wurden bisher in alle Welt verkauft.

 

 

Doch was passiert mit der Umwelt? Lassen sich Ökologie und Ökonomie miteinander vereinbaren? Denn ein Vorurteil, welches der Industrie anhaftet ist: Nur der Profit zählt! Doch für SMS Meer und die Kunden schließen sich Ökologie und Ökonomie nicht aus. Das Ecoplants-Konzept bietet Lösungen. Die Größenordnung spielt dabei keine Rolle. Es reicht von den Solarzellen auf dem Dach des Werks  in Mönchengladbach bis hin zu komplexen Lösungen für eine komplette Anlage. So wurden in einem Werk in der Ukraine sechs bestehende Konverter mit Hydro-Hybrid-Filtersystemen nachgerüstet. Ökonomischer Vorteil: Stromkosteneinsparung 1. Mio. Euro im Jahr. Ökologischer Vorteil: Senkung von Emissionen: Staub:  <10mg. /Nm³ , Co2: ca. 6.500 t pro Jahr (Potential zur Minderung der CO2- Emissionen mit Gridfaktor Deutschland).

Am Ende des Abends habe ich für mich persönlich eine Antwort gefunden: Ohne die Industrie kommen wir heute nicht mehr aus. Sie ist für den Menschen im Laufe der Jahre immer wichtiger geworden. Forschung, Entwicklung, Industrie müssen sein, um den Fortschritt weitervoranzutreiben und eine weitere Entwicklung zu gewährleisten. 

Doch ist es Aufgabe der Industrie und Konsumenten in der weiteren Entwicklung darauf zu achten, dass ökologische Standards immer weiter entwickelt werden und somit die Spanne zwischen Ökonomie und Ökologie noch kleiner wird und sich noch mehr lohnt. Denn schließlich können wir als Konsumenten bestimmen, was wir von der Industrie verlangen und erwarten.

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 26 Februar 2014 09:38