Dienstag, 26 November 2013 11:28

Die Deutsche Bank und die heute-show-Alles nur ein PR Gag?

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Seit letztem Freitag hat die Medienwelt dank der heute-show wieder ein heißes Diskussionsthema.

Es geht um den Beitrag des ehemaligen Titanic Chefredakteurs Martin Sonneborn, der an diesem Abend ausgestrahlt wurde. Er schickte eine Interviewanfrage an die Deutsche Bank. Er wollte mit dem Institut über, wie er sagte, Themen wie Hedgefonds oder Managergehälter, Geld und der damit verbundenen Macht sprechen. Das Ergebnis: Die Deutsche Bank  sagte nicht ab wie bei solchen Themen vielleicht erwartet, sondern lud zum Interview. ABER!!!!! Die Deutsche Bank lieferte die Fragen und Antworten für den Journalisten gleich mit!

Der Journalist wurde scheinbar zum Akteur, zur Marionette der Deutschen Bank.

 

Ich habe den Beitrag mit großem Erstaunen verfolgt und konnte es nicht fassen. Das Echo in den Medien war dann in der folgenden Woche entsprechend. Vom PR-Gau und PR-Trick der Deutschen Bank war die Rede. Doch im weiteren Verlauf stellte sich heraus (siehe zum Beispiel W&V von heute und FAZ vom 11.11.2013, http://www.wuv.de/medien/faz_ueber_die_heute_show_so_fuehrt_sonneborn_die_deutsche_bank_vor), dass die ganze Geschichte einen anderen Hintergrund hatte. Erstens, hat laut der FAZ Martin Sonneborn nicht, wie im Beitrag dargestellt, persönlich um das Interview gebeten, sondern die Anfrage kam laut einem Sprecher der Deutschen Bank von der Produktionsfirma Smac Film.

Zweitens war das Interview für einen Beitrag auf ZDF neo vorgesehen, welcher wohl vor Wochen auch schon ausgestrahlt wurde. Einem jüngeren Publikum sollte die Welt der Banken, Finanzkrise, Hedgefonds erklärt werden.  Die Produktionsfirma schickte der Bank dann Fragen, die die Bank als zu komplex ablehnte. Wie der Sprecher der Deutschen Bank im Artikel der FAZ vom 11.11.2013 angibt, machte das Institut dann seinerseits Vorschläge, wie das Thema dem jugendlichen Publikum vermittelt werden kann. Smac Film gab dann wohl ihr okay für das Interview.

Doch Martin Sonneborn hält laut FAZ dagegen und sagt, die Fragen seien Vorrausetzung für das Interview gewesen.

Soweit der Sachverhalt, wie er sich augenblicklich darstellt.

 

Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter über den tatsächlichen Sachverhalt philosophieren.

 

Meiner Auffassung nach sind hier zwei Dinge aufeinandergestoßen: Ein Journalist, der mit einem Interview ein bestimmtes Ziel verfolgte und gescheitert ist und ein Institut, welches im Augenblick durch andere Vorfälle Schlagzeilen macht und nun versucht sich aus weiteren Schlagzeilen herauszuhalten und sensibel auf Presseanfragen, mit welchen Absichten auch immer, reagiert.

Allerdings sind hier auch zwei Handlungen geschehen, die meines Erachtens auch nicht okay sind.

 

Erstens: Falls der Beitrag für die heute-show eine Retourkutsche für das geplatzte Interview sein sollte, finde ich dies, auch als Satiriker, etwas überzogen. Wenn er tatsächlich das Gefühl gehabt haben sollte, das Institut gibt die Fragen vor, wäre eine sachliche Auseinandersetzung in Form eines Austauschs mit den Verantwortlichen oder ein Artikel in den entsprechenden Fachmedien meiner Meinung besser gewesen.

 

Zweitens: Sollte die Deutsche Bank tatsächlich die Fragen vordiktiert und damit versucht haben, ein heikles und viel diskutiertes Thema in für das Institut geeignete Bahnen zu lenken, ist das aus Kommunikativer Sicht ein absolutes No GO! Und dann sollte sich die Deutsche Bank auch nicht wundern, dass die Presse so reagiert.

 

Für mich ist das ganze mittlerweile zu hoch gekocht, auch wenn ich zugegebener Maßen zu Anfang, als ich den Beitrag gesehen habe, empört war. Doch jetzt denke ich liefert es nur wieder einen Beweis wie empfindlich die Beziehung zwischen Presse und Institutionen sein können und es für beide Seiten wichtig ist durch ein ständiges Geben und Nehmen und die Bedürfnisse des anderen so gut es eben geht zu kennen und zu berücksichtigen eine stabile Beziehung aufzubauen und Vertrauen zu schaffen.

 

Nur so können die Kommunikatoren auf Unternehmensseite ihre Aufgabe wahrnehmen und die Anliegen des Unternehmens in der Öffentlichkeit vertreten und den Zielgruppen vermitteln und die Journalisten können ihre Leser der Wahrheit entsprechend und umfassend mit dem nötigen Freiraum für ihre Recherchen informieren.

Letzte Änderung am Donnerstag, 28 November 2013 13:25